Koppen ist eine Verhaltensstörung (Stereotypie) des Pferdes, bei der es die untere Halsmuskulatur anspannt, meist mit den Schneidezähnen auf einem festen Gegenstand, und dabei mit einem rülpsenden Geräusch Luft in die Speiseröhre strömen lässt.
Inhalt dieses Eintrags
- Woran erkennst du, dass ein Pferd koppt?
- Warum koppen Pferde?
- Lernen Pferde das Koppen voneinander?
- Wie häufig ist Koppen?
- Ist Koppen gefährlich für das Pferd?
- Kopperriemen, Koppstange, Operation: was ist sinnvoll?
- Was kannst du bei einem koppenden Pferd tun? Der 4-Schritte-Plan
- Was hat Koppen mit Physiotherapie zu tun?
Koppen ist eine der bekanntesten Verhaltensstörungen beim Pferd. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) beschreibt den Ablauf so: Das Pferd spannt die vordere Halsmuskulatur an, der Schlundkopf öffnet sich, Luft strömt in die Speiseröhre, und es entsteht ein rülpsendes Geräusch, der Koppton. Die meisten Pferde setzen dabei die Schneidezähne auf, etwa auf Krippenrand, Boxenwand oder Zaun (Aufsetzkopper). Einige koppen frei: Sie nicken den Kopf zur Brust und lassen ihn dann hochschnellen (Freikopper). Anders als oft angenommen, gelangt dabei nur sehr wenig Luft in den Magen (TVT-Merkblatt 187).
Woran erkennst du, dass ein Pferd koppt?
Ein koppendes Pferd erkennst du am Koppton und an der typischen Bewegung mit angespanntem Unterhals. Weitere Hinweise:
- Abgenutzte Schneidezähne: Bei Aufsetzkoppern sind sie oft stark abgerieben.
- Kräftigere untere Halsmuskulatur: Sie kann sich durch das häufige Anspannen stärker entwickeln.
- Bissspuren: an Krippe, Boxenwand oder Zaunlatten.
- Typische Situationen: In einer finnischen Untersuchung mit 98 koppenden Pferden koppten diese laut Besitzern vor allem nach der Fütterung oder bei Stress (Hemmann et al. 2014).
Warum koppen Pferde?
Koppen entsteht nach heutigem Wissen aus mehreren Faktoren, vor allem aus Haltung, Fütterung und Stress. Die Studienlage im Überblick:
- Haltung: In Einzelboxen ist der Anteil koppender Pferde höher als in Gruppenhaltung; Bewegungs- und Beschäftigungsmangel gelten als Hauptursachen (TVT).
- Fütterung: Kraftfutter nach dem Absetzen ging mit einer etwa viermal höheren Rate an neu auftretendem Koppen einher (Waters et al. 2002). Unter natürlichen Bedingungen fressen Pferde etwa 16 bis 18 Stunden am Tag.
- Magen: Junge Pferde, die gerade mit dem Koppen begonnen hatten, hatten stärker entzündete Mägen (Nicol et al. 2002). Bei Pferden auf der Weide fand eine andere Studie diesen Zusammenhang nicht (Wickens et al. 2013).
- Veranlagung: Vollblüter koppten in einer US-Umfrage am häufigsten (Albright et al. 2009). Getestete Kandidatengene zeigten aber keinen klaren Zusammenhang (Hemmann et al. 2014).
- Stressbewältigung: In einem Hormontest hatten koppende Pferde, die während des Tests nicht koppten, höhere Cortisolwerte als Kontrollpferde; koppende Pferde, die koppen konnten, nicht (Briefer Freymond et al. 2015). Das spricht dafür, dass Koppen Pferden hilft, mit Stress umzugehen.
Lernen Pferde das Koppen voneinander?
Nein, dafür gibt es keinen Beleg. In der US-Umfrage begann nur rund 1 % der Pferde nach Kontakt mit einem koppenden Pferd selbst damit (Albright et al. 2009). Die TVT erklärt gehäuftes Koppen in einem Stall mit denselben ungünstigen Haltungsbedingungen, nicht mit Nachahmung. Einen Kopper zu isolieren, ist deshalb nicht sinnvoll.
Wie häufig ist Koppen?
Koppen betrifft je nach Studie etwa 4 von 100 Pferden. In den USA koppten 4,4 % der Pferde (Albright et al. 2009), auf Prince Edward Island in Kanada 3,8 % (Christie et al. 2006). Sportpferde entwickeln Stereotypien laut TVT häufiger als Freizeitpferde.
Ist Koppen gefährlich für das Pferd?
Koppen selbst führt nach Einschätzung der TVT nur selten zu ernsten Gesundheitsschäden; ein Zusammenhang mit bestimmten Koliken ist aber belegt. Beides gehört zur fairen Einordnung:
- Die TVT nennt als mögliche Folgen vor allem Zahnabrieb und eine kräftigere untere Halsmuskulatur; eine Leistungsminderung wurde nicht festgestellt.
- In einer britischen Studie hatten 35,4 % von 367 koppenden Pferden Koliken in der Vorgeschichte; Koppen war mit einem höheren Kolikrisiko verbunden (Escalona et al. 2014).
- Koppen und Luftschlucken waren in einer britischen Fall-Kontroll-Studie der stärkste Risikofaktor für eine bestimmte Darmeinklemmung, die Einklemmung im Foramen epiploicum (Archer et al. 2008).
Zusammenhang heißt nicht Ursache: Stress und Fütterung können Koppen und Koliken gemeinsam begünstigen.
Kopperriemen, Koppstange, Operation: was ist sinnvoll?
Maßnahmen, die nur das Koppen verhindern, setzen nicht an der Ursache an. Die TVT stuft Kopperriemen, Kopperoperation und das Bestrafen koppender Pferde als tierschutzwidrig ein, weil sie dem Pferd eine Möglichkeit nehmen, Stress zu bewältigen. Die AAEP, der US-Verband der Pferdetierärzte, empfiehlt, koppende Pferde tierärztlich auf Ursachen zu untersuchen.
Vorsicht bei Ratschlägen aus dem Netz, besonders wenn ein Produkt dazu verkauft wird. Dieser Eintrag stützt sich auf das Merkblatt der TVT und auf Studien.
Die Studienlage zu Hilfsmitteln ist nicht einheitlich: In einem kleinen Versuch mit 8 Pferden verringerten zwei Kopperriemen und ein Maulkorb das Koppen, ohne dass der Cortisolspiegel messbar stieg; eingesetzte Zahnfleischringe wirkten nur vorübergehend, und das Einsetzen war vermutlich schmerzhaft (Albright et al. 2016). Auch diese Autoren raten, vor allem die Haltung zu verbessern.
Eine Kopperoperation ist ein chirurgischer Eingriff an Halsmuskeln und Nerven. Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT, Nr. 702) sieht dafür 521,73 Euro im einfachen Satz vor; beim dreifachen Satz wären es 1.565,19 Euro, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer, Narkose und Nachsorge (eigene Berechnung).
Was kannst du bei einem koppenden Pferd tun? Der 4-Schritte-Plan
Am meisten bewirkst du über Gesundheitscheck, Haltung und Fütterung, nicht über das Unterdrücken des Verhaltens:
- Tierärztlich abklären: Magen, Zähne und Kolikrisiko prüfen lassen, vor allem wenn das Koppen neu ist.
- Haltung verbessern: Sozialkontakt in der Gruppe, viel freie Bewegung und Beschäftigung.
- Fütterung anpassen: Raufutter frei zugänglich oder mit langen Fresszeiten, Kraftfutter reduzieren.
- Stress senken und nicht bestrafen: Auslöser im Alltag erkennen; bei Bedarf eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit Schwerpunkt Verhalten oder eine Verhaltensberatung hinzuziehen.
Früh begonnen, lässt sich Koppen laut TVT oft abschwächen. Hat ein Pferd es einmal entwickelt, lässt es sich kaum noch ganz abgewöhnen. Ein Pferd, das unter guten Bedingungen weiter koppt, leidet nach Einschätzung der TVT aber nicht mehr.

Was hat Koppen mit Physiotherapie zu tun?
Physiotherapie behandelt Koppen nicht, denn die Ursachen liegen in Haltung, Fütterung und Gesundheit. Studien zu Physiotherapie bei koppenden Pferden haben wir nicht gefunden. Ein Bezug kann trotzdem entstehen: Das häufige Anspannen kräftigt die untere Halsmuskulatur, und Pferde mit Magenproblemen zeigen manchmal auch Abwehr beim Satteln und Gurten. Wenn dein Pferd koppt und zusätzlich Rücken- oder Rittigkeitsprobleme hat, lass beides tierärztlich abklären. Mehr dazu im Ratgeber Rückenprobleme beim Pferd erkennen. Für die physiotherapeutische Begleitung danach findest du Anbieter im Verzeichnis.
Häufige Fragen
Was heißt Koppen beim Pferd?
Koppen ist eine Verhaltensstörung: Das Pferd spannt die untere Halsmuskulatur an, setzt meist die Schneidezähne auf einen festen Gegenstand und lässt mit einem rülpsenden Geräusch Luft in die Speiseröhre strömen.
Ist Koppen ansteckend?
Nein, dafür gibt es keinen Beleg. In einer US-Umfrage begann nur rund 1 % der Pferde nach Kontakt mit einem koppenden Pferd selbst damit.
Kann man einem Pferd das Koppen abgewöhnen?
Hat ein Pferd es einmal entwickelt, lässt es sich kaum noch ganz abgewöhnen. Früh begonnen, lässt sich Koppen laut TVT oft abschwächen, vor allem durch bessere Haltung und Fütterung.
Ist ein Kopperriemen sinnvoll?
Die TVT stuft Kopperriemen als tierschutzwidrig ein, weil sie nur das Verhalten unterdrücken. In einem kleinen Versuch mit 8 Pferden verringerten Kopperriemen das Koppen, ohne dass der Cortisolspiegel messbar stieg; auch diese Autoren raten, vor allem die Haltung zu verbessern.
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Quellen
- TVT-Merkblatt Nr. 187: Zur Tierschutzrelevanz des Koppens bei Pferden unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes von Kopperriemen (Sept. 2020) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 9. Oktober 2026
- Ohio State University Extension: A Demonstration of Cribbing (Transkript) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- AAEP: Position on the use of hog rings (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Albright et al. 2009: Crib-biting in US horses: breed predispositions and owner perceptions (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Waters, Nicol, French 2002: Entstehung von Stereotypien bei jungen Pferden (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Nicol et al. 2002: Koppen und Magenschleimhaut bei jungen Pferden (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Escalona et al. 2014: Prevalence of and risk factors for colic in horses that display crib-biting behaviour (BMC Vet Res) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Briefer Freymond et al. 2015: The physiological consequences of crib-biting in horses in response to an ACTH challenge test (Physiol Behav) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 9. Oktober 2026
- Albright et al. 2016: Efficacy and effects of various anti-crib devices on behaviour and physiology of crib-biting horses (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 9. Oktober 2026
- Hemmann et al. 2014: Exploration of known stereotypic behaviour-related candidate genes in equine crib-biting (Animal) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 9. Oktober 2026
- Christie et al. 2006: Management factors affecting stereotypies and body condition score in nonracing horses in Prince Edward Island (Can Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 9. Oktober 2026
- Wickens et al. 2013: Assessment of Gastric Ulceration and Gastrin Response in Horses with History of Crib-Biting (J Equine Vet Sci) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 9. Oktober 2026
- Archer et al. 2008: Risk factors for epiploic foramen entrapment colic in a UK horse population (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 9. Oktober 2026
- Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT), Anlage Gebührenverzeichnis, Nr. 702 (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 9. Oktober 2026
Stand: 9. Oktober 2026