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Glossar Pferdephysiotherapie
Von Dornfortsatz bis Taktunreinheit: Begriffe, die dir bei Tierarzt und Therapeut:innen begegnen, in klarer Sprache.
B
- Beugeprobe
Die Beugeprobe ist ein Test der tierärztlichen Lahmheitsuntersuchung, bei dem Gelenke eines Beins etwa 60 Sekunden gebeugt gehalten werden und das Pferd danach sofort antrabt; verstärkt sich die Lahmheit, gilt sie als positiv.
C
- Cavaletti-Training
Cavaletti-Training ist Gymnastik über Boden- oder leicht erhöhte Stangen in Schritt, Trab oder Galopp, die das Pferd zu mehr Gelenkbeugung und aktiverer Bewegung anregt; Studien messen dabei mehr Beweglichkeit und Muskelaktivität.
D
- Diagnostische Anästhesie
Diagnostische Anästhesie ist das gezielte örtliche Betäuben von Nerven, Gelenken oder Körperregionen durch die Tierärztin oder den Tierarzt, um herauszufinden, ob eine Lahmheit oder ein Schmerz von dort ausgeht.
- Dorn-Methode
Die Dorn-Methode (auch Dorn-Therapie) ist ein manuelles Verfahren aus der Erfahrungsheilkunde beim Menschen, bei dem Wirbel und Gelenke durch Druck bei gleichzeitiger Bewegung beeinflusst werden sollen; einige Therapeutinnen und Therapeuten übertragen es auf das Pferd.
- Dornfortsatz
Ein Dornfortsatz (Processus spinosus) ist der nach oben ragende Knochenfortsatz eines Wirbels; beim Pferd bilden die Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbel den Widerrist und die tastbare Linie unter dem Sattel.
F
- Faszien
Faszien sind Hüllen und Platten aus dichtem Bindegewebe, die Muskeln, Organe und andere Körperteile umgeben, voneinander abgrenzen und miteinander verbinden; beim Pferd sind sie besonders dicht und fest gebaut.
G
- Ganganalyse
Eine Ganganalyse ist die strukturierte Beurteilung, wie sich ein Pferd bewegt, entweder mit dem Auge oder mit Messtechnik wie Bewegungssensoren und Videoauswertung per Smartphone.
I
- Iliosakralgelenk
Das Iliosakralgelenk (ISG, Kreuzdarmbeingelenk) ist die straffe, kaum bewegliche Verbindung zwischen Kreuzbein und Darmbein auf beiden Seiten des Beckens; es überträgt die Schubkraft der Hinterhand auf den Rumpf.
K
- Kinesio-Tape
Kinesio-Tape ist ein elastisches, selbstklebendes Band, das auf Haut und Fell geklebt wird und in der Pferdephysiotherapie Muskeln und Körperwahrnehmung unterstützen soll, ohne die Bewegung einzuschränken.
- Koppen
Koppen ist eine Verhaltensstörung (Stereotypie) des Pferdes, bei der es die untere Halsmuskulatur anspannt, meist mit den Schneidezähnen auf einem festen Gegenstand, und dabei mit einem rülpsenden Geräusch Luft in die Speiseröhre strömen lässt.
L
- Lahmheitsgrade
Lahmheitsgrade beschreiben, wie deutlich ein Pferd lahmt; verbreitet ist die Skala der AAEP von 0 (keine erkennbare Lahmheit) bis 5 (Bein wird kaum oder gar nicht belastet). Der Grad sagt nichts darüber, wie ernst die Ursache ist.
- Laserdusche
Eine Laserdusche ist ein Lasertherapiegerät mit mehreren Laserdioden, das größere Körperflächen des Pferdes gleichzeitig mit Licht niedriger Leistung bestrahlt; fachlich gehört sie zur Lasertherapie.
- Lasertherapie
Lasertherapie (Photobiomodulation) ist die Bestrahlung von Gewebe mit Laser- oder LED-Licht niedriger Leistung, die beim Pferd begleitend bei Muskel-, Sehnen- und Gelenkbeschwerden eingesetzt wird.
M
- Manuelle Therapie
Manuelle Therapie umfasst Techniken, bei denen Gelenke und Wirbelsäule des Pferdes mit den Händen bewegt werden, von sanfter Mobilisation bis zu schnellen, kurzen Impulsen (Manipulation), wie sie die Chiropraktik nutzt.
- Mobile Behandlung
Mobile Behandlung heißt, dass die Pferdephysiotherapeutin oder der Pferdephysiotherapeut zum Pferd in den Stall kommt, statt dass du dein Pferd in eine Praxis bringst; im Raum München arbeiten die meisten Anbieter so.
- Musculus longissimus dorsi
Der Musculus longissimus dorsi (langer Rückenmuskel) ist der größte Muskel im Rücken des Pferdes; er verläuft beidseits der Wirbelsäule vom Kreuzbein bis zum letzten Halswirbel, stabilisiert die Wirbelsäule und stützt Sattel und Reiter mit.
O
- Oberlinie
„Oberlinie“ ist ein Reit- und Praxisbegriff für die Muskulatur entlang der Oberseite des Pferdes, vom Genick über Hals und Rücken bis zur Kruppe; fachlich entspricht ihr am ehesten die Muskulatur über der Wirbelsäule (epaxiale Muskulatur).
P
- Pferdemassage
Pferdemassage ist die gezielte Bearbeitung von Muskulatur und Weichteilgewebe des Pferdes mit den Händen durch Streichen, Kneten oder Druck, meist als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung.
- Propriozeption
Propriozeption ist die Eigenwahrnehmung des Körpers: der Sinn für Lage und Bewegung von Gliedmaßen und Rumpf sowie für Kraft und Anstrengung, gesteuert über Rezeptoren in Haut, Muskeln und Gelenken.
R
- Ridden Horse Pain Ethogram (RHpE)
Das Ridden Horse Pain Ethogram ist eine Liste von 24 genau definierten Verhaltensweisen unter dem Reiter; zeigt ein Pferd 8 oder mehr davon, gelten Schmerzen im Bewegungsapparat als wahrscheinlich.
T
- Taktunreinheit
Taktunreinheit (auch Taktfehler) ist ein Reit- und Praxisbegriff für einen unregelmäßigen Bewegungsrhythmus, bei dem die Fußfolge einer Gangart nicht gleichmäßig ist; sie kann reiterliche Gründe haben, aber auch ein Zeichen einer Lahmheit sein.
- Tierosteopathie
Tierosteopathie ist eine manuelle Behandlungsform, bei der Gelenke, Muskeln und Bindegewebe des Tieres mit den Händen sanft mobilisiert werden; beim Pferd spricht man meist von Pferdeosteopathie.
- Tierphysiotherapie
Tierphysiotherapie ist die physiotherapeutische Behandlung von Tieren mit Massage, Bewegungstherapie, manuellen Techniken und physikalischen Reizen wie Wärme oder Strom; beim Pferd spricht man von Pferdephysiotherapie.
V
- Viszerale Osteopathie
Viszerale Osteopathie ist ein Teilbereich der Osteopathie, der mit sanften Handgriffen an den inneren Organen und ihren bindegewebigen Aufhängungen ansetzen soll.
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