Training & Muskelaufbau

Pferd Muskelaufbau: Übungen, Studienlage und Trainingsplanung

Kurz gesagt

Für den Muskelaufbau beim Pferd eignet sich regelmäßiges, abwechslungsreiches Training wie Mobilisationsübungen, Stangenarbeit und Arbeit bergauf, angepasst an Ausbildungsstand und Gesundheit. Vorher sollten Schmerzen tierärztlich ausgeschlossen sein, denn Muskelabbau kann eine Schmerzfolge sein.

Pferd trabt an der Hand über mehrere Bodenstangen auf einem Sandplatz
Mit KI generiert

Muskelaufbau beim Pferd braucht regelmäßiges, abwechslungsreiches Training über Wochen und Monate. Studien zeigen, welche Übungen Rücken- und Bauchmuskeln messbar fordern. Ebenso wichtig ist die Frage davor: Baut das Pferd ab, weil es zu wenig trainiert wird, oder weil es Schmerzen hat?

Kurz zusammengefasst

  • Zuerst Schmerzen ausschließen: Muskelabbau am Rücken kann eine Schmerzfolge sein.
  • Dynamische Mobilisationsübungen vergrößerten in einer Studie den tiefen Multifidus-Muskel nach drei Monaten.
  • Stangenarbeit und Arbeit bergauf erhöhen Gelenkbeugung und Muskelaktivität.
  • Sattel und Ausrüstung müssen mitwachsen: Rückenmaße ändern sich im Lauf eines Jahres deutlich.
  • Eiweiß zählt: Ein 600-kg-Pferd braucht im Erhalt rechnerisch etwa 756 g Rohprotein und 32 g Lysin pro Tag.
  • Stand der Studienauswertung: 8. Oktober 2026, neueste berücksichtigte Arbeiten von 2025 und 2026.

Trainingsmangel oder Schmerz: Was musst du zuerst klären?

Bevor du gezielt Muskeln aufbaust, sollte klar sein, dass dein Pferd gesund ist. Zwei Gründe:

  • Ein Abbau des tiefen Multifidus-Muskels kann nach einer Übersichtsarbeit bestehen bleiben, auch wenn der Schmerzreiz weggefallen ist. Er kann außerdem bei Kissing Spines und anderen Rückenerkrankungen auftreten (Domańska-Kruppa et al. 2024).
  • Von 60 Pferden, die laut Besitzern beschwerdefrei arbeiteten, waren 73 % geringgradig lahm (Dyson & Pollard 2020).

Ein einseitiger Muskelabbau, ein plötzlich eingefallener Rücken oder Widerwillen bei bestimmten Übungen sind Gründe für eine tierärztliche Untersuchung. Mehr dazu im Ratgeber Rückenprobleme beim Pferd erkennen.

Sofort Tierarzt rufen, wenn …

  • Dein Pferd während oder nach dem Training plötzlich lahmt oder ein Bein nicht belastet.
  • es schwankt, stolpert oder sich unkoordiniert bewegt.
  • Wunden, Schwellungen oder warme Hufe auftreten.

Die Übungen auf dieser Seite sind für gesunde oder tierärztlich abgeklärte Pferde gedacht. Sie sind keine Behandlung von Beschwerden.

Warum baut ein Pferd keine Muskeln auf?

Ein Pferd baut meist aus einem von vier Gründen keine Muskeln auf: Schmerzen, ein unpassender Trainingsreiz, ein drückender Sattel oder eine unzureichende Versorgung mit Eiweiß. Oft wirken mehrere Gründe zusammen.

GrundWas dahinterstecktWas du tun kannst
Schmerzen oder LahmheitMuskelabbau am Rücken kann eine Schmerzfolge sein; 73 % von 60 als beschwerdefrei geltenden Pferden waren geringgradig lahm (Dyson & Pollard 2020)tierärztlich abklären lassen
TrainingsreizMobilisationsübungen, Stangenarbeit und Arbeit bergauf fordern Rücken und Rumpf in Studien messbarTraining abwechslungsreich und schrittweise steigern
Sattel und AusrüstungRückenmaße ändern sich im Jahresverlauf deutlich (Greve & Dyson 2015); ein zu eng gewordener Sattel bremstPassform mehrmals jährlich prüfen lassen
FütterungMuskeln brauchen Eiweiß, besonders die Aminosäure Lysin (Mok & Urschel 2020)Ration prüfen lassen statt pauschal zufüttern

Auch Alter und Vorerkrankungen spielen eine Rolle. Ob eine Erkrankung hinter dem Muskelabbau steckt, klärt die Tierärztin oder der Tierarzt.

Welche Muskeln zählen beim Muskelaufbau?

Wer von Muskelaufbau beim Pferd spricht, meint meist die Oberlinie: Hals, Rücken und Kruppe. Das ist ein Reitbegriff; eine wissenschaftliche Definition haben wir nicht gefunden. Studien betrachten einzelne Muskeln:

  • Musculus longissimus dorsi: der größte Rückenmuskel, stabilisiert die Wirbelsäule und trägt Sattel und Reiter mit.
  • Musculus multifidus: ein tiefer, kurzer Muskel direkt an den Wirbeln, wichtig für die Stabilität einzelner Wirbelsegmente.
  • Bauchmuskeln: Sie arbeiten mit der Rückenmuskulatur zusammen und werden bei vielen Übungen mit aktiviert.
  • Hinterhand: Gesäß- und Oberschenkelmuskeln liefern den Schub.

Welche Übungen fordern die Muskulatur nachweislich?

Die Forschung zum Muskelaufbau beim Pferd steht noch am Anfang, liefert aber schon hilfreiche Hinweise. Die meisten Studien haben wenige Pferde, wie oft in der Tiermedizin, und messen Muskelaktivität oder Bewegung, nicht den Muskelzuwachs über Monate. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Befunde zusammen.

ÜbungWas gemessen wurdeGrenzen
Dynamische Mobilisation (Hals- und Rumpfbiegungen, z. B. mit Futterlob)Querschnitt des Multifidus nahm nach 3 Monaten an allen 6 Messstellen zu (8 Pferde)ohne Kontrollgruppe, Pferde nicht geritten
Mobilisation plus GymnastikMultifidus nahm zu, Dicke des Longissimus unverändert, Schrittlänge verbessert (9 Pferde)sehr kleine Studie
Trab über Stangendeutlich mehr Gelenkbeugung, Hufhöhe vorn von 13,8 auf bis zu 41,0 cmmisst Bewegung, nicht Muskelzuwachs
Schritt über Bodenstangenmehr Aktivität von Longissimus und geradem Bauchmuskel (6 Pferde)kurzfristige Messung
Galopp bergauf (8 % Steigung)mehr Aktivität u. a. in Longissimus und Gesäßmuskel (7 Pferde)Laufband, Rennpferde; bei 4 % kein signifikanter Unterschied
Hüftmobilisation, „Beckenrunden“stärkste Aktivierung von Longissimus und Bauchmuskeln (7 Pferde)sehr kleine Studie

Quellen: Stubbs et al. 2011; de Oliveira et al. 2015; Brown et al. 2015; Shaw et al. 2021; Takahashi et al. 2024; Harrison et al. 2026.

Mehr Aktivität während einer Übung heißt nicht automatisch mehr Muskelaufbau. Die Befunde geben aber Hinweise, welche Übungen Rücken und Rumpf fordern.

Wie funktionieren Mobilisationsübungen im Alltag?

Dynamische Mobilisationsübungen gehören zu den am besten untersuchten Übungsformen für die tiefe Rückenmuskulatur. Das Pferd folgt dabei einem Leckerli mit Kopf und Hals in bestimmte Positionen und hält sie kurz, ohne dass die Beine sich bewegen. Häufig spricht man von „Karottenstretches“.

Typische Positionen sind:

  • Kopf nach unten zur Brust,
  • Kopf tiefer zwischen die Vorderbeine bis zu den Röhrbeinen,
  • Kopf seitlich zur Schulter, zum Bauch oder zur Hüfte, jeweils auf beiden Seiten.

In der Studie von Stubbs et al. (2011) wurden die Übungen fünfmal je Position an fünf Tagen pro Woche durchgeführt, ohne dass die Pferde geritten wurden. Nach drei Monaten war der Multifidus-Muskel an allen Messstellen größer. Ob der Effekt bei gerittenen Pferden genauso eintritt, wurde nicht untersucht.

Praktische Hinweise: Das Pferd sollte ruhig stehen und nicht mit den Beinen ausweichen. Beginne mit kleinen Bewegungsumfängen. Zeigt dein Pferd Abwehr oder kann eine Seite deutlich schlechter, notiere das und sprich es bei der nächsten Untersuchung an.

Was bringen Stangenarbeit und Cavaletti?

Stangenarbeit vergrößert messbar die Gelenkbeugung und fordert Rücken- und Bauchmuskeln; einen Muskelzuwachs über Monate haben die Studien nicht gemessen. Unter Cavaletti-Training versteht man Arbeit über Boden- oder leicht erhöhte Stangen. Beim Trab über 11 bzw. 20 cm hohe Stangen stieg die Beugung aller Gelenke in der Schwungphase, ohne dass die senkrechten Spitzenkräfte auf die Beine zunahmen (Brown et al. 2015; Clayton et al. 2015). Auch im Schritt vergrößerte sich der Bewegungsumfang (41 Pferde, Walker et al. 2022). Erhöhte Stangen bewegten die Brust- und Lendenwirbelsäule stärker als Bodenstangen; die Autoren raten zur Vorsicht bei bestimmten Rückenbefunden (Walker et al. 2025, Kongressbeitrag).

Stangen fordern zudem die Propriozeption, also die Eigenwahrnehmung des Pferdes. Bei Kissing Spines oder anderen Rückenbefunden sprich Höhe und Häufigkeit vorher mit Tierarzt oder Physiotherapeutin ab. Abstände, Aufbauten und Varianten der Stangenarbeit behandelt ein eigener Ratgeber, den wir vorbereiten.

Was bringen Longieren, Hilfszügel und Kopfhaltung?

Auch an der Longe lässt sich Muskulatur fördern, mit einigen Einschränkungen:

  • Beim Longieren mit Pessoa-System sanken Tempo und Schrittlänge, die Auf-und-ab-Bewegung des Rückens nahm zu (12 Pferde, Walker et al. 2013).
  • Unter dem Longiergurt traten mit und ohne Pessoa hohe Drücke auf die Dornfortsätze auf (Mackechnie-Guire et al. 2018). Bei 6 Pferden senkte ein eigens geformtes Schaumstoffpolster unter dem Gurt mehrere Druckwerte um etwa 75 bis 82 % (Loosley et al. 2026).
  • Die Kopf-Hals-Haltung verändert die Rückenbewegung: Bei 7 Dressurpferden auf dem Laufband verringerte eine hohe Haltung den Beuge- und Streckumfang des Rückens, eine tiefe vergrößerte ihn (Gómez Álvarez et al. 2006). Die Studie war unberitten und lässt sich nur eingeschränkt auf das Reiten übertragen.

Bei 18 Pferden mit Rückenschmerz verbesserten sechs Wochen Wasserlaufband, Longieren oder Laufband unter anderem die Muskulatur im Lendenbereich, ohne Unterschied zwischen den Programmen (Geiger et al. 2025). Das waren Pferde in Behandlung, nicht gesunde Pferde, und eine Kontrollgruppe fehlte.

Wie planst du den Muskelaufbau? Der 3-Phasen-Aufbau

Der 3-Phasen-Aufbau ist unsere redaktionelle Orientierung für die Planung. Er beruht nicht auf einer Studie, sondern ordnet die oben beschriebenen Befunde. Eine allgemein belegte Dauer für den Muskelaufbau gibt es nicht; die zitierten Studien liefen über etwa drei Monate.

Phase 1: Bestandsaufnahme. Gesundheit tierärztlich klären, Sattel prüfen lassen, Fotos von der Seite und von oben als Ausgangspunkt. Ziele festlegen: Was soll sich verändern?

Phase 2: Grundlagen. Regelmäßige Mobilisationsübungen, viel Schritt, Bodenstangen im Schritt, Arbeit auf wechselndem Untergrund. Das Pferd lernt, sich zu dehnen und den Rumpf zu stabilisieren.

Phase 3: Steigerung. Trabstangen, leicht erhöhte Stangen, Arbeit bergauf, Übergänge. Belastung schrittweise erhöhen, Pausentage einplanen und auf Ermüdung achten: Wird das Pferd unwillig oder unregelmäßig, einen Schritt zurückgehen.

Zur Regeneration und zu Pausen gibt es beim Pferd bisher kaum Studien. Hilfreich ist, Veränderungen alle paar Wochen mit Fotos zu vergleichen.

Beispielwoche für Phase 2

Die Beispielwoche ist eine redaktionelle Orientierung, keine Studienvorgabe. Sie übernimmt den Rhythmus aus der Mobilisationsstudie von Stubbs et al. (2011): Übungen an fünf Tagen pro Woche.

TagSchwerpunkt
MontagMobilisationsübungen, Schrittausritt mit leichten Steigungen
DienstagMobilisationsübungen, Bodenstangen im Schritt an der Hand
Mittwochfrei: Weide oder Paddock
DonnerstagMobilisationsübungen, Longieren mit vielen Handwechseln
FreitagMobilisationsübungen, Reiten mit Übergängen und Dehnungsphasen
SamstagMobilisationsübungen, Gelände im Schritt
Sonntagfrei
Infografik: der 3-Phasen-Aufbau für den Muskelaufbau (1 Bestandsaufnahme, 2 Grundlagen, 3 Steigerung) mit redaktioneller Beispielwoche für Phase 2: Übungen an fünf Tagen, Mittwoch und Sonntag frei.

Dauer und Tempo richten sich nach Trainingszustand und tierärztlicher Freigabe. Bei Pferden nach einer Verletzung oder langen Pause legt die Tierärztin oder der Tierarzt den Belastungsaufbau fest. Für ältere Pferde und den Wiedereinstieg nach einer Pause bereiten wir eigene Ratgeber vor.

Welche Fehler bremsen den Muskelaufbau?

Die folgenden Punkte sind unsere redaktionelle Zusammenfassung aus den Studien und den Grenzen, die sie aufzeigen:

  • Zu schnell steigern: Erhöhte Stangen fordern die Wirbelsäule stärker als Bodenstangen. Steigere Höhe, Anzahl und Tempo schrittweise.
  • Nur eine Hand: Viele Pferde biegen sich auf einer Seite leichter. Trainiere beide Seiten gleich, und notiere deutliche Unterschiede.
  • Druck unter Gurt und Hilfszügeln übersehen: Unter dem Longiergurt wurden hohe Drücke auf die Dornfortsätze gemessen. Eine Polsterung kann helfen.
  • Kopfhaltung erzwingen: Eine sehr hohe Kopf-Hals-Haltung schränkte in einer Studie die Rückenbewegung am stärksten ein.
  • Rückschritte ignorieren: Wird das Pferd unwillig, taktunrein oder baut trotz Training ab, ist das ein Grund für eine Untersuchung, nicht für mehr Training.

Warum müssen Sattel und Ausrüstung mitwachsen?

Wenn der Rücken Muskeln aufbaut, verändert sich seine Form. Die Rückenmaße ändern sich innerhalb eines Jahres deutlich; die Autoren einer Studie empfehlen, die Sattelpassform mehrmals jährlich fachkundig prüfen zu lassen (Greve & Dyson 2015). Ein zu eng gewordener Sattel kann den Aufbau bremsen. Auch Longiergurt und Pads gehören auf den Prüfstand.

Welche Rolle spielt die Fütterung?

Muskeln brauchen Eiweiß. Lysin ist die einzige Aminosäure, für die es beim Pferd einen festgelegten Bedarfswert gibt (US-Empfehlungen des NRC). Für den Erhaltungsbedarf eines erwachsenen Pferdes nennt eine Übersichtsarbeit etwa 54 mg Lysin und rund 1,26 g Rohprotein je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Ein Überschuss an Eiweiß belastet dagegen den Stoffwechsel (Mok & Urschel 2020). Deutsche Fütterungsempfehlungen haben wir dafür nicht ausgewertet.

Rechenbeispiel Erhaltungsbedarf: Ein erwachsenes Pferd mit 600 kg braucht danach rechnerisch etwa 756 g Rohprotein und 32 g Lysin pro Tag, ein 450-kg-Pferd etwa 567 g Rohprotein und 24 g Lysin. Das ist unsere Umrechnung der Werte je Kilogramm; für arbeitende, wachsende oder tragende Pferde gelten andere Bedarfswerte.

  • Zusätzliches Lysin und Threonin über 14 Wochen half jungen und alten Pferden, Muskelmasse besser zu erhalten (Graham-Thiers & Kronfeld 2005).
  • Einen Beleg, dass Ergänzungsfutter beim gesunden, bedarfsgerecht gefütterten Pferd Muskeln aufbaut, haben wir nicht gefunden.

Lass die Ration bei Bedarf von deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt oder einer Fütterungsberatung prüfen, statt pauschal zuzufüttern.

Wann kann Pferdephysiotherapie beim Muskelaufbau unterstützen?

Eine Pferdephysiotherapeutin kann einen Trainingsplan erstellen, Übungen zeigen, Fortschritte dokumentieren und Verspannungen erkennen, die auf ein Problem hinweisen. Besonders sinnvoll ist das nach einer Verletzung, bei abgeklärten Rückenbefunden oder wenn das Pferd trotz Training nicht zulegt. Mehr dazu im Ratgeber Pferdephysiotherapie: was sie ist und was sie kann.

Wenn die tierärztliche Abklärung erfolgt ist und du im Raum München Unterstützung beim Training suchst, findest du im Verzeichnis Anbieter nach Region. Oder du nutzt die Anfrage: Beantworte ein paar Fragen zu deinem Pferd – wir finden die passende Pferdephysiotherapie in deiner Region.

Häufige Fragen

Wie lange dauert Muskelaufbau beim Pferd?

Eine allgemein belegte Dauer gibt es nicht. In Studien wurden Veränderungen der Rückenmuskulatur nach etwa drei Monaten regelmäßiger Übungen gemessen. Wie schnell dein Pferd Muskeln aufbaut, hängt von Alter, Gesundheit, Ausgangszustand und Training ab.

Welche Übungen helfen beim Muskelaufbau am Rücken?

Untersucht sind vor allem dynamische Mobilisationsübungen, nach denen bei 8 Pferden der tiefe Multifidus-Muskel zunahm, sowie Stangenarbeit und Arbeit bergauf, die die Aktivität der Rückenmuskulatur erhöhen. Die Studien sind klein und messen oft Aktivität statt Muskelzuwachs.

Hilft Cavaletti-Training beim Muskelaufbau?

Stangenarbeit erhöht die Gelenkbeugung und im Schritt die Aktivität von Rücken- und Bauchmuskeln. Einen langfristigen Muskelzuwachs durch Cavaletti haben die vorliegenden Studien nicht gemessen.

Braucht mein Pferd für den Muskelaufbau Zusatzfutter?

Nicht automatisch. Wichtig ist eine bedarfsgerechte Versorgung mit Eiweiß und der Aminosäure Lysin. Eine Studie zeigte, dass zusätzliches Lysin und Threonin jungen und alten Pferden half, Muskelmasse besser zu erhalten; ein Beleg, dass Ergänzungsfutter Muskeln aufbaut, liegt nicht vor.

Warum baut mein Pferd trotz Training keine Muskeln auf?

Häufige Gründe sind unerkannte Schmerzen oder Lahmheit, ein zu gleichförmiger oder zu schwacher Trainingsreiz, ein drückender Sattel und eine Ration ohne ausreichend Eiweiß und Lysin. Von 60 als beschwerdefrei geltenden Pferden waren in einer Studie 73 % geringgradig lahm. Baut ein Pferd trotz Training ab, gehört es zuerst zum Tierarzt.

Wie hoch ist der Proteinbedarf eines Pferdes pro Tag?

Für den Erhaltungsbedarf eines erwachsenen Pferdes nennt eine Übersichtsarbeit nach US-Empfehlungen (NRC) rund 1,26 g Rohprotein und 54 mg Lysin je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für ein 600-kg-Pferd sind das rechnerisch etwa 756 g Rohprotein und 32 g Lysin pro Tag. Für arbeitende, wachsende oder tragende Pferde gelten andere Bedarfswerte.

Gibt es einen Trainingsplan für den Muskelaufbau?

Einen wissenschaftlich geprüften Standardplan gibt es nicht. Unser 3-Phasen-Aufbau mit Beispielwoche ordnet die untersuchten Übungen: erst Bestandsaufnahme, dann Grundlagen mit Mobilisation, Schritt und Bodenstangen, dann Steigerung mit Trab, Hügeln und Übergängen. Passe ihn mit Tierarzt oder Therapeutin an dein Pferd an.

Quellen

  1. Stubbs et al. 2011: Dynamische Mobilisationsübungen und M. multifidus (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  2. de Oliveira et al. 2015: Dynamische Mobilisation und Gymnastik bei Hippotherapie-Pferden (J Equine Vet Sci) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  3. Domańska-Kruppa et al. 2024: Advances in the Clinical Diagnostics to Equine Back Pain (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  4. Dyson & Pollard 2020: Application of a Ridden Horse Pain Ethogram (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  5. Brown et al. 2015: Trab über Stangen – Gelenkbeugung und Hufhöhe (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  6. Clayton, Stubbs, Lavagnino 2015: Bodenreaktionskräfte beim Trab über Stangen (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  7. Shaw et al. 2021: Bodenstangen im Schritt und Muskelaktivität (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  8. Walker et al. 2022: Schritt über Boden- und erhöhte Stangen (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  9. Walker et al. 2025: Trotting over ground and raised poles – spinal kinematics (BEVA Abstract) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  10. Takahashi et al. 2024: Muskelaktivität im Galopp bergauf (PLoS One) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  11. Harrison et al. 2026: Muskelaktivität bei Hüftmobilisation und Beckenrunden (J Equine Vet Sci) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  12. Gómez Álvarez et al. 2006: Effect of head and neck position on back kinematics (Equine Vet J Suppl) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  13. Walker, Dyson, Murray 2013: Longieren mit Pessoa (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  14. Loosley et al. 2026: Polsterung unter dem Longiergurt (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  15. Geiger et al. 2025: Trainingsprogramme bei Pferden mit Rückenschmerz (BMC Vet Res) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  16. Greve & Dyson 2015: Veränderung der Rückenmaße im Jahresverlauf (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  17. Graham-Thiers & Kronfeld 2005: Lysin und Threonin bei jungen und alten Pferden (PubMed) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  18. Mok & Urschel 2020: Amino acid requirements in horses (Asian-Australas J Anim Sci) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026

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