Kurz gesagt
Pferdephysiotherapie ist die Behandlung des Pferdes mit Bewegungstherapie, Massage, manuellen Techniken sowie Wärme-, Elektro- und Wasseranwendungen. Sie baut auf der tierärztlichen Diagnose auf und begleitet vor allem Reha und Training. Die Forschung steht am Anfang, erste Studien sind positiv.

Pferdephysiotherapie behandelt den Bewegungsapparat des Pferdes mit Bewegung, Händen und physikalischen Reizen. Sie arbeitet auf Grundlage der tierärztlichen Diagnose und ergänzt diese, vor allem in Reha, Training und bei wiederkehrenden Verspannungen. Die Forschung beim Pferd steht noch am Anfang, erste Studien zeigen aber positive Effekte, etwa auf Muskulatur, Beweglichkeit und Entspannung.
Kurz zusammengefasst
- Methoden: Bewegungstherapie, Massage, manuelle Therapie, Wärme-, Elektro-, Licht- und Wasseranwendungen.
- Grundlage ist die tierärztliche Diagnose; Physiotherapie stellt selbst keine.
- Tierärztekammern bieten eine eigene Zusatzbezeichnung „Physiotherapie und Osteotherapie bei Pferden“ an.
- Die Forschung steht noch am Anfang; erste kleine Studien zeigen positive Effekte.
- Eine Erstbehandlung dauert laut Anbietern meist 1,5 bis 2 Stunden und kostet in Bayern 90 bis 160 Euro (Median 120 Euro, Stichprobe 9 Anbieter).
- 79 % der 193 Anbieter in unserem Verzeichnis kombinieren mehrere Methoden, 67 % kommen in den Stall.
Was ist Pferdephysiotherapie?
Pferdephysiotherapie ist die auf Pferde spezialisierte Form der Tierphysiotherapie. Laut BERUFENET, dem Berufelexikon der Bundesagentur für Arbeit, untersuchen Tierphysiotherapeutinnen und -therapeuten die Tiere, erheben die Krankengeschichte und planen die Behandlung anhand der tierärztlichen Diagnose und eigener Beobachtungen. Sie wenden zum Beispiel Massagen, Übungen mit Geräten, Elektro- und Wärmetherapie sowie Wasseranwendungen an und beraten die Halter.
Die Therapieplanung erfolgt laut BERUFENET weitgehend eigenständig, richtet sich aber nach tierärztlichen Verordnungen. „Pferdephysiotherapeut/in“ ist eine mögliche Abschlussbezeichnung privater Ausbildungen. Die Ausbildung ist nicht staatlich geregelt; ein bestimmter Bildungsgang ist nicht vorgeschrieben. Was das für deine Auswahl bedeutet, erklärt der Ratgeber Pferdephysiotherapeut finden.
Auch Tierärztinnen und Tierärzte bieten Physiotherapie an. Die Tierärztekammer Nordrhein etwa beschreibt für ihre Zusatzbezeichnung „Physiotherapie und Osteotherapie bei Pferden“ Bewegungstherapie, Massage, Chiropraktik, Thermo-, Elektro- und Hydrotherapie sowie Osteotherapie in Prävention, Therapie und Rehabilitation.
Wer Pferdephysiotherapie anbietet, kommt deshalb aus drei Richtungen: aus einer privaten Ausbildung zur Tier- oder Pferdephysiotherapeutin, aus der Human-Physiotherapie mit Weiterbildung oder aus der Tiermedizin mit Zusatzbezeichnung. Eine zusätzliche, personenbezogene Anerkennung vergibt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN); sie setzt laut Fachpresse seit 2006 eine staatlich anerkannte Ausbildung in Human-Physiotherapie oder ein Tiermedizinstudium voraus (Reiterjournal 2024). Woran du Qualifikation im Gespräch erkennst, zeigt der 5-Fragen-Check im Ratgeber Pferdephysiotherapeut finden: Qualifikation einordnen und richtig auswählen.
Wie läuft eine Behandlung ab?
Eine physiotherapeutische Untersuchung beim Pferd stützt sich laut einer Übersichtsarbeit auf Beobachtung, klinisches Denken, Abtasten und messbare Verlaufskontrollen (Vet Clin North Am Equine Pract 2016). In der Praxis sieht die Erstbehandlung meist so aus:
- Vorgespräch: Vorgeschichte, tierärztliche Befunde, Haltung, Training, Sattel, deine Beobachtungen.
- Befund im Stand: Körperbau, Muskulatur, Hufe, Symmetrie.
- Bewegung: Vorführen im Schritt und Trab, oft im Zirkel. Anbieter nennen das häufig Ganganalyse; sie ersetzt keine tierärztliche Lahmheitsuntersuchung.
- Abtasten: Muskeln, Faszien, Gelenkbeweglichkeit, Druckempfindlichkeit.
- Behandlung: je nach Befund mit den unten beschriebenen Methoden.
- Empfehlungen: Übungen, Trainingsanpassung, gegebenenfalls Rücksprache mit Tierarzt, Sattler oder Hufbearbeiter.
Laut den von uns geprüften Preisseiten bayerischer Anbieter dauert die Erstbehandlung meist 1,5 bis 2 Stunden. Viele der geprüften Anbieter kommen in den Stall (mobile Behandlung).
Was kostet das? Bei 9 bayerischen Anbietern mit belegtem Standort kostete die Erstbehandlung 90 bis 160 Euro (Median 120 Euro) und eine Folgebehandlung 60 bis 160 Euro (Median 90 Euro), jeweils zuzüglich Anfahrt. Das ist unsere Stichprobe der Preisseiten vom 8. Oktober 2026, kein Marktdurchschnitt. Wie Anfahrt und Versicherung dazukommen, erklärt der Ratgeber Kosten der Pferdephysiotherapie.
Was nach dem Termin und bei Folgeterminen gilt
Wie viel Ruhe dein Pferd nach einer Behandlung braucht und in welchem Abstand Folgetermine sinnvoll sind, legt die Therapeutin anhand von Befund und Ziel fest. Einen durch Studien belegten Standardrhythmus haben wir nicht gefunden. Lass dir deshalb drei Dinge konkret sagen: was du in den nächsten Tagen beobachten sollst, welche Übungen du bis zum nächsten Termin machst und wann ihr gemeinsam Bilanz zieht. Wie du den Verlauf selbst dokumentierst, steht weiter unten.
Welche Methoden gibt es, und wie gut sind sie erforscht?
Pferdephysiotherapie umfasst rund zehn Methodengruppen, von Bewegungstherapie und Massage über manuelle Therapie bis zu Laser, Elektrotherapie und Kinesio-Tape. Die meisten Anbieter kombinieren mehrere davon. Das zeigt auch unser Verzeichnis: Von 193 geprüften Anbietern im Raum München und 150 km Umkreis nennen 153 (79 %) auf ihrer Website mehr als eine Methode.
| Methode laut Anbieter-Website | Anbieter (von 193) |
|---|---|
| Physiotherapie | 136 |
| Osteopathie | 125 |
| Massage | 64 |
| Akupunktur | 61 |
| Kinesio-Tape | 59 |
| Trainingsberatung | 59 |
| Lasertherapie | 32 |
| Chiropraktik | 19 |
| Sattelberatung | 14 |
Eigene Auswertung unseres Verzeichnisses, Stand 8. Oktober 2026; gezählt wird, was die Anbieter selbst nennen, nicht, was wir geprüft haben.

Die folgende Übersicht ist unsere redaktionelle Zusammenfassung systematischer Übersichtsarbeiten und einzelner Studien. Sie zeigt, wofür eine Methode in der Praxis eingesetzt wird und wie weit die Forschung beim Pferd ist. Viele dieser Verfahren nennt auch die Tierärztekammer Nordrhein in ihrer Zusatzbezeichnung für Tierärztinnen und Tierärzte. Wie in weiten Teilen der Tiermedizin arbeiten die Studien meist mit wenigen Tieren; größere kontrollierte Studien stehen noch aus. Wenig erforscht heißt dabei nicht wirkungslos.
| Methode | Wofür sie eingesetzt wird | Forschungsstand |
|---|---|---|
| Bewegungstherapie (gezielte Übungen, kontrollierte Bewegung, Stangen) | Muskelaufbau, Beweglichkeit, Begleitung der Reha | erste positive Studien, z. B. Muskelzuwachs am Rücken |
| Massage (Streichen, Kneten, Druck) | Entspannung, Lockerung der Muskulatur | erste positive Studien zu Schrittlänge und Beruhigung |
| Manuelle Therapie (Mobilisation, Manipulation) | Beweglichkeit von Gelenken und Wirbelsäule | am besten untersucht; positive Effekte in allen Studien eines Reviews |
| Lasertherapie (Laser- oder LED-Licht) | Begleitung bei Muskel-, Sehnen- und Gelenkbeschwerden | in der Praxis verbreitet, Ergebnisse noch uneinheitlich |
| Elektrotherapie (Reizstrom, z. B. TENS) | Muskel- und Nervenstimulation | in der Praxis verbreitet, Forschung beim Pferd am Anfang |
| Therapeutischer Ultraschall (Schallwellen ins Gewebe) | muskuloskelettale Beschwerden | Forschung beim Pferd am Anfang |
| Kinesio-Tape (elastisches Klebeband) | Körperwahrnehmung, Muskelunterstützung | wenig erforscht, Einzelstudien |
| Propriozeptive Reize (Fesselbänder, Untergründe) | Körperwahrnehmung, Bewegungsablauf | verändern die Bewegung messbar; Studien zu Beschwerden stehen aus |
| Akupunktur (Nadeln an definierten Punkten) | Begleitung, etwa bei Hufrehe | erste positive Studien, fast nur zur Hufrehe |
| Stoßwelle (Druckwellen, meist tierärztlich) | Schmerzlinderung, Bandleiden, Arthrose | erste vielversprechende Studien |
| Magnetfeldtherapie (gepulste Magnetfelder, z. B. als Decke) | Begleitung bei Muskel- und Gelenkbeschwerden | eine placebokontrollierte Studie ohne signifikanten Unterschied |
Einige Details aus den Studien:
- Bewegungstherapie: Bei 8 Pferden nahm nach drei Monaten Mobilisationsübungen der Querschnitt des tiefen Rückenmuskels Multifidus auf allen Messhöhen zu; eine Kontrollgruppe gab es nicht (Stubbs et al. 2011).
- Manuelle Therapie: 14 Studien, 13 davon am Pferd; alle berichten positive Effekte. Die Autoren sehen niedrige bis mittlere Evidenz für weniger Schmerz, Steifigkeit und Muskelspannung; feste Schlüsse sind laut ihnen noch schwierig, Effekte oft kurzlebig (Haussler et al. 2021).
- Massage: In einer kleinen Studie mit 8 Pferden verbesserte Massage der Hinterhand die Schrittlänge nach vorn im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Hill & Crook 2010). Bei 72 Rennpferden deuteten Herzfrequenzwerte auf eine beruhigende Wirkung hin (Kowalik et al. 2017). Ein systematisches Review mit 11 Studien bei Katze, Hund und Pferd hält die Daten noch nicht für ausreichend, um die klinische Wirksamkeit zu bestimmen (Bergh et al. 2022).
- Laser: 45 Studien an Hund, Katze und Pferd mit uneinheitlichen Ergebnissen; zu Einstellungen wie Wellenlänge und Dosis gibt es noch keinen Konsens (Millis & Bergh 2023). Die sogenannte Laserdusche ist ein Praxisbegriff, zu dem es noch keine eigenen Studien gibt.
- Elektrotherapie: 41 Studien; für feste Aussagen zu klinischen Effekten reichen sie laut Autoren noch nicht (Hyytiäinen et al. 2023).
- Ultraschall: Beim Pferd gibt es bisher wenige, methodisch noch nicht belastbare Studien (Boström et al. 2022).
- Kinesio-Tape: In einer Laufbandstudie mit 19 Pferden und Ponys veränderte Tape an zwei Vorhandmuskeln Muskelaktivität und Schrittlänge nicht messbar (Zellner et al. 2017). Andere Ziele wie die Körperwahrnehmung wurden dort nicht untersucht.
- Propriozeption: Taktile Reize verändern Bewegung und Muskelaktivität; Studien zu Beschwerden stehen noch aus (Atalaia et al. 2021).
- Akupunktur: Eine Meta-Analyse mit 7 Studien fand Hinweise auf Besserung bei Hufrehe, mit uneinheitlichen Ergebnissen (Fikri et al. 2025).
- Stoßwelle: 36 Studien; die Autoren sehen sie als vielversprechend für kurzfristige Schmerzlinderung, Bandleiden und Arthrose, wünschen sich aber weitere hochwertige Studien (Boström et al. 2022). Sie wird oft von Tierärztinnen und Tierärzten angewendet.
- Magnetfeld: Bei Polo-Ponys zeigten gepulste Magnetfelddecken in einer placebokontrollierten Studie keinen signifikanten Nutzen (zitiert nach Atalaia et al. 2021). Das ist eine Einzelstudie; andere Geräte und Einsatzgebiete sind damit nicht beurteilt.
Weitere Verfahren wie manuelle Lymphdrainage, Vibrationsgeräte oder die Dorn-Methode bieten einzelne Therapeutinnen und Therapeuten ebenfalls an. Für einige dieser Verfahren bereiten wir eigene Ratgeber vor; diese Übersicht bleibt bewusst beim Überblick.
Wie gut ist Pferdephysiotherapie insgesamt erforscht?
Die Forschung zur Pferdephysiotherapie steht noch am Anfang. Ein Scoping Review zur Rehabilitation beim Pferd wertete 49 Publikationen aus: 49 % waren Übersichtsartikel ohne eigene Daten, 35 % Beobachtungs- oder beschreibende Studien und rund 10 % randomisierte kontrollierte Studien (Atalaia et al. 2021). Die Autoren wünschen sich mehr größere kontrollierte Studien. Kleine Fallzahlen sind in der Tiermedizin typisch. Gleichzeitig ist die Methode in der Tiermedizin verankert: Tierärztekammern bieten eine eigene Zusatzbezeichnung „Physiotherapie und Osteotherapie bei Pferden“ an. In einer internationalen Umfrage unter 353 Spezialisten bevorzugten 71 % bei Kissing Spines zunächst konservative Behandlung, häufig mit kontrollierter Bewegung; manuelle Therapie wurde ebenfalls erwogen (Treß et al. 2024).
Was heißt das für dich? Wenig erforscht heißt nicht wirkungslos, und erste Studien zeigen positive Effekte. Einen bestimmten Erfolg kann aber niemand versprechen. Das Heilmittelwerbegesetz gilt auch für Behandlungen bei Tieren: Werbung darf keine Wirksamkeit behaupten, die ein Verfahren nicht hat, und nicht den Eindruck erwecken, ein Erfolg sei sicher zu erwarten (§ 3 HWG). Achte deshalb darauf, dass dir die Therapeutin erklärt, was sie erreichen will und wie sie den Verlauf überprüft.
Wann kann Pferdephysiotherapie sinnvoll sein?
Pferdephysiotherapie kann dort sinnvoll sein, wo die Ursache geklärt ist und Bewegung, Muskulatur oder Beweglichkeit gezielt unterstützt werden sollen.
- Reha nach Verletzung oder Operation: Kontrollierte, stufenweise gesteigerte Bewegung ist laut Übersichtsarbeit ein Kernbestandteil der Rehabilitation (Vet Clin North Am Equine Pract 2016). Physiotherapie kann diesen Plan begleiten.
- Abgeklärte Rückenbeschwerden: Etwa als Teil konservativer Behandlung bei Kissing Spines, siehe Rückenprobleme beim Pferd erkennen.
- Training und Muskelaufbau: Bei gesunden Pferden, die gezielt aufgebaut werden sollen, etwa nach einer Pause, bei jungen Pferden im Anreiten oder bei älteren Pferden mit nachlassender Muskulatur. Welche Übungen untersucht sind, steht im Ratgeber Pferd Muskelaufbau.
- Auffälligkeiten unter dem Sattel nach tierärztlicher Abklärung: etwa Widerwillen beim Rückwärtsrichten, weniger Schub aus der Hinterhand oder Schweifschlagen, die eine Fallserie als typische Hinweise auf Rückenschmerz nennt (Shokry et al. 2025). Physiotherapie ergänzt hier die Behandlung, wenn die Ursache geklärt ist.
- Vorsorge: Regelmäßige Kontrolle bei Sportpferden oder älteren Pferden. Prävention gehört laut Tierärztekammer Nordrhein zum Aufgabenfeld; Studien zum vorbeugenden Nutzen stehen noch aus.
Wann passt Physiotherapie (noch) nicht?
In manchen Situationen ist Physiotherapie nicht der richtige erste Schritt:
- Unklare Lahmheit: Solange die Ursache nicht tierärztlich geklärt ist, kann eine Behandlung Symptome überdecken und die Diagnose verzögern.
- Frische Verletzungen, Wunden, Schwellungen: Sie gehören zuerst in tierärztliche Hand.
- Starke Abwehr bei Berührung: Sie kann auf deutliche Schmerzen hinweisen, die abgeklärt werden müssen.
- Plötzliche Verhaltensänderung: Steigen, Buckeln oder Teilnahmslosigkeit sind Gründe für eine Untersuchung, nicht für eine Behandlung auf Verdacht.
Gute Pferdephysiotherapeutinnen erkennen solche Situationen und verweisen an den Tierarzt.
Wo liegen die Grenzen der Pferdephysiotherapie?
Pferdephysiotherapie ersetzt weder die tierärztliche Untersuchung noch die Diagnose. Einige Grenzen sind gesetzlich gezogen:
- Medikamente: Verschreibungspflichtige Tierarzneimittel dürfen Nicht-Tierärzte nur anwenden, wenn ein Tierarzt sie verschrieben oder abgegeben hat und eine schriftliche Behandlungsanweisung vorliegt (§ 50 TAMG).
- Betäubung: Die Betäubung warmblütiger Wirbeltiere nimmt ein Tierarzt vor, ausgenommen äußerlich angewandte örtliche Betäubungsmittel (§ 5 TierSchG). Diagnostische Anästhesien gehören damit nicht zur Physiotherapie.
- Diagnose: Laut BERUFENET baut die Behandlung auf der Diagnose des Tierarztes auf.
Sofort Tierarzt rufen, wenn …
- Dein Pferd ein Bein nicht belastet oder plötzlich stark lahmt.
- Wunden, Blutungen oder Verletzungen über Gelenken zu sehen sind.
- der Verdacht auf Hufrehe besteht.
- es schwankt, stolpert oder sich unkoordiniert bewegt.
- es Anzeichen einer Kolik zeigt.
In diesen Fällen ist Physiotherapie keine Alternative. Details im Ratgeber Pferd lahmt: Was tun und wann zum Tierarzt?.
Woran erkennst du, ob die Physiotherapie hilft?
Ob eine Physiotherapie deinem Pferd hilft, sollte nicht Gefühlssache bleiben. Eine Übersichtsarbeit beschreibt messbare Verlaufskontrollen als festen Teil der physiotherapeutischen Untersuchung beim Pferd (Vet Clin North Am Equine Pract 2016). Für dich als Besitzerin oder Besitzer eignet sich unser 4-Werkzeuge-Verlaufscheck aus Videos, Fotos, Verhaltensnotizen und Zielen:
- Videos: dieselbe Strecke, derselbe Boden, dieselben Kamerapositionen vor der ersten Behandlung und danach alle paar Wochen.
- Fotos: Rücken und Hinterhand von der Seite und von oben, am gleichen Ort und bei gleichem Licht.
- Verhaltensnotizen: Reaktion beim Putzen, Satteln, Aufsteigen und Reiten. Das Ridden Horse Pain Ethogram bietet dafür eine Liste mit 24 Verhaltensweisen unter dem Reiter.
- Ziele: Was soll sich bis wann verändern, etwa die Biegung auf einer Hand oder das Stehenbleiben beim Aufsteigen?
Vereinbare mit der Therapeutin, nach wie vielen Terminen ihr gemeinsam Bilanz zieht. Bleibt eine Besserung aus oder verschlechtert sich etwas, gehört das Pferd erneut zum Tierarzt.
Was bereitest du vor dem ersten Termin vor?
- tierärztliche Befunde, Röntgenberichte und den Behandlungsplan
- Notizen und Videos zu deinen Beobachtungen
- Angaben zu Training, Haltung, Fütterung und Hufbearbeitung
- einen ruhigen, ebenen Platz im Stall und eine feste, gerade Strecke zum Vorführen
Bei der Behandlung im Stall entfällt der Transport. Klär vorab, wie die Anfahrt berechnet wird.
Was unterscheidet Physiotherapie, Osteopathie und Chiropraktik?
Die Grenzen zwischen den Verfahren sind fließend. Viele Anbieter kombinieren sie: In unserem Verzeichnis nennen 73 von 193 Anbietern sowohl Physiotherapie als auch Osteopathie.
- Physiotherapie arbeitet breit: Bewegung, Massage, Geräte, Training.
- Osteopathie arbeitet mit sanften manuellen Mobilisationen; Anbieter beschreiben ihren Ansatz oft als ganzheitlich.
- Chiropraktik nutzt vor allem schnelle, kurze Impulse an Gelenken und Wirbelsäule (Manipulation).
Mehr dazu im Ratgeber Pferdeosteopathie: Methode, Evidenz und Grenzen.
Wie findest du Pferdephysiotherapie im Raum München?
Im Raum München und im Umkreis von 150 km haben wir 193 Anbieter anhand ihrer eigenen Websites geprüft. 130 davon (67 %) geben an, mobil in den Stall zu kommen; nur 3 nennen eigene Praxisräume. Für dich heißt das: Entscheidend ist meist, ob dein Stall im Einzugsgebiet liegt und wie die Anfahrt berechnet wird.
Wenn die tierärztliche Abklärung erfolgt ist und du eine Pferdephysiotherapeutin im Raum München suchst, hast du zwei Wege:
- Im Verzeichnis siehst du Anbieter nach Region, mit den Methoden, die sie selbst angeben. Ein Eintrag ist keine Empfehlung.
- Über die Anfrage geht es schneller: Beantworte ein paar Fragen zu deinem Pferd – wir finden die passende Pferdephysiotherapie in deiner Region.
Unsicher, welche Unterstützung passt? Der Wegweiser grenzt in wenigen Fragen ein, ob zuerst der Tierarzt, eine Physiotherapie oder Training gefragt ist.
Häufige Fragen
Was macht ein Pferdephysiotherapeut?
Pferdephysiotherapeutinnen und -therapeuten erheben die Vorgeschichte, beurteilen Haltung und Bewegung, tasten Muskeln und Gelenke ab und behandeln mit Bewegungstherapie, Massage, manuellen Techniken sowie Wärme-, Elektro- oder Wasseranwendungen. Laut BERUFENET richtet sich der Plan nach der tierärztlichen Diagnose und eigenen Beobachtungen.
Ersetzt Pferdephysiotherapie den Tierarzt?
Nein. Pferdephysiotherapie stellt keine tierärztliche Diagnose und ersetzt keine Untersuchung. Verschreibungspflichtige Medikamente und Betäubungen sind Tierärzten vorbehalten bzw. nur auf deren Verschreibung und Anweisung möglich.
Ist die Wirksamkeit von Pferdephysiotherapie wissenschaftlich belegt?
Die Forschung beim Pferd steht noch am Anfang. In einem Scoping Review zur Pferde-Rehabilitation waren rund 10 % der 49 Arbeiten randomisierte kontrollierte Studien. Zur manuellen Therapie berichten alle 14 Studien eines systematischen Reviews positive Effekte, feste Schlüsse sind laut Autoren aber noch schwierig. Für weitere Methoden gibt es erste Hinweise. Wenig erforscht heißt nicht wirkungslos, einen bestimmten Erfolg kann aber niemand versprechen.
Wie läuft die erste Behandlung ab?
Die Erstbehandlung dauert laut Anbieter-Preisseiten meist 1,5 bis 2 Stunden. Sie umfasst Vorgespräch, Beurteilung von Stand und Bewegung, Abtasten, eine erste Behandlung und Empfehlungen für den Alltag.
Wie viel kostet Pferdephysiotherapie?
Bei 9 bayerischen Anbietern mit belegtem Standort kostete die Erstbehandlung 90 bis 160 Euro (Median 120 Euro), eine Folgebehandlung 60 bis 160 Euro (Median 90 Euro), jeweils plus Anfahrt. Das ist unsere Stichprobe der Preisseiten vom 8. Oktober 2026, kein Marktdurchschnitt.
Was ist der Unterschied zwischen Pferdephysiotherapie und Osteopathie?
Physiotherapie arbeitet breit mit Bewegung, Massage, manuellen Techniken und Geräten. Osteopathie nutzt vor allem sanfte manuelle Mobilisationen und versteht sich als ganzheitlich. Die Grenzen sind fließend: In unserem Verzeichnis nennen 73 von 193 Anbietern beide Methoden.
Wie wird man Pferdephysiotherapeutin oder Pferdephysiotherapeut?
Eine staatlich geregelte Ausbildung gibt es nicht; Schulen legen Dauer, Zugang und Abschluss selbst fest (BERUFENET). Daneben bilden sich Human-Physiotherapeutinnen weiter, und Tierärztinnen und Tierärzte erwerben Zusatzbezeichnungen. Für die FN-Anerkennung braucht es laut Fachpresse eine Human-Physiotherapie-Ausbildung oder ein Tiermedizinstudium.
Quellen
- BERUFENET: Tierphysiotherapeut/in (Tätigkeit) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- BERUFENET: Tierphysiotherapeut/in (Ausbildung) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Atalaia et al. 2021: Equine Rehabilitation – A Scoping Review of the Literature (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Haussler et al. 2021: Systematic Review of Musculoskeletal Mobilization and Manipulation Techniques (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Stubbs et al. 2011: Dynamic mobilisation exercises and multifidus (Europe PMC) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Hill & Crook 2010: Massage and hindlimb protraction (Europe PMC) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Kowalik et al. 2017: Massage and heart rate variability in racehorses (Europe PMC) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Treß et al. 2024: International survey of equine orthopaedic specialists (Vet Rec) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Millis & Bergh 2023: Systematic Literature Review – Laser Therapy (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Hyytiäinen et al. 2023: Systematic Review – Electrotherapy (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Boström et al. 2022: Systematic Review – Therapeutic Ultrasound (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Boström et al. 2022: Systematic Review – Extracorporeal Shockwave Therapy (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Bergh et al. 2022: Systematic Review – Soft Tissue Mobilization (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Zellner, Bockstahler, Peham 2017: Kinesio Taping in horses (PLoS ONE) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Fikri et al. 2025: Effectiveness of acupuncture for equine laminitis (Veterinary World) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Physiotherapy Assessment for the Equine Athlete (Vet Clin North Am Equine Pract 2016) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Controlled Exercise in Equine Rehabilitation (Vet Clin North Am Equine Pract 2016) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Tierärztekammer Nordrhein: Zusatzbezeichnung Physiotherapie und Osteotherapie bei Pferden (2016) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- § 3 Heilmittelwerbegesetz (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- § 50 Tierarzneimittelgesetz (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- § 5 Tierschutzgesetz (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Shokry et al. 2025: Relationship between back pain and poor performance in show jumping horses (Open Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
- Reiterjournal: Die FN legt Hand an den „Pferde-Physio“ (15.01.2024) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026