Anzeichen & Probleme

Kissing Spines beim Pferd: Befund, Anzeichen und Behandlungswege

Kurz gesagt

Kissing Spines sind eng stehende oder sich berührende Dornfortsätze der Brustwirbelsäule. Der Röntgenbefund ist auch bei beschwerdefreien Pferden häufig; ob er Schmerzen verursacht, klärt erst die tierärztliche Untersuchung, oft mit diagnostischer Anästhesie.

Infografik: Schema der Brustwirbelsäule des Pferdes mit normalen Abständen der Dornfortsätze im Vergleich zu eng stehenden Dornfortsätzen

Kissing Spines ist der Name für einen Röntgenbefund: Die Dornfortsätze der Brustwirbel stehen zu eng, berühren oder überlappen sich. Viele Pferde mit diesem Befund haben keine Beschwerden. Entscheidend ist deshalb, ob der Befund zu den Symptomen passt.

Kurz zusammengefasst

  • Kissing Spines: Zwischenraum der Dornfortsätze unter 4 mm, meist zwischen 13. und 18. Brustwirbel.
  • Der Befund ist auch bei rückengesunden Pferden häufig: In drei Studien hatten 22 von 33, 27 von 70 und 100 von 100 Pferden ohne Rückenproblem auffällige Röntgenbilder.
  • Die Diagnose stellt der Tierarzt mit Röntgen, Untersuchung und oft diagnostischer Anästhesie.
  • Meist wird zuerst konservativ behandelt; Physiotherapie und Muskelaufbau gehören dazu, sind aber kaum direkt untersucht.

Was sind Kissing Spines?

Kissing Spines (englisch „overriding spinous processes“) sind Dornfortsätze, deren Zwischenraum auf unter 4 mm verengt ist. Sie berühren sich oder überlappen. Betroffen ist vor allem die mittlere und hintere Brustwirbelsäule, also die Region unter dem Sattel; auch der Lendenbereich ist möglich (Pilati et al. 2025). In einer Studie lagen die Befunde meist zwischen dem 13. und 18. Brustwirbel (Erichsen et al. 2004).

Ein Blick auf den Bau der Wirbelsäule erklärt, warum gerade diese Region betroffen ist. Die Dornfortsätze dienen Muskeln und Bändern als Hebel. Vom 13. bis zum 15. Brustwirbel werden sie kürzer und stehen immer senkrechter; am 15. Brustwirbel stehen sie senkrecht, dahinter neigen sie sich nach vorn. Über die Spitzen zieht das Supraspinalband, die Fortsetzung des Nackenbands, das die Wirbelsäule gegen zu starkes Beugen stabilisiert (Pilati et al. 2025). Die Rückenmuskeln der Oberlinie tragen diesen Bereich mit.

Bedeutet ein Röntgenbefund immer Schmerzen?

Nein: Ein Röntgenbild mit eng stehenden Dornfortsätzen beweist nicht, dass das Pferd Schmerzen hat. Vier Befunde zeigen das:

  • Von 33 Reitpferden ohne Rückensymptome hatten nur 11 normale Dornfortsatzabstände über 4 mm, nur 7 hatten überhaupt keinen Befund (Erichsen et al. 2004).
  • Von 70 Pferden ohne Rückenprobleme in der Vorgeschichte zeigten 27 (39 %) überlappende Dornfortsätze (Turner 2011).
  • Bei 100 aktiven, nicht lahmen Warmblut-Springpferden hatte jedes Pferd mindestens eine röntgenologische Auffälligkeit; das Leistungsniveau hing nicht davon ab (Kerbert et al. 2025).
  • Röntgen- und Sektionsstudien berichten Häufigkeiten solcher Befunde von bis zu 92 %. Einen Grenzwert, der gesunde und schmerzhafte Pferde zuverlässig trennt, gibt es nicht (Pilati et al. 2025).

Für dich heißt das: Ein Befund beim Ankauf oder Routineröntgen ist kein Grund zur Panik. Er ist aber ein Grund, genau hinzusehen, wenn dein Pferd Rückenprobleme zeigt. Woher die Engstellen kommen, ist die nächste Frage.

Wie entstehen Kissing Spines?

Kissing Spines entstehen nach heutigem Wissen aus mehreren Gründen, die noch nicht vollständig verstanden sind. Eine Übersichtsarbeit nennt diese diskutierten Faktoren (Pilati et al. 2025):

  • Alter, Geschlecht und Rasse: Vollblüter werden als möglicherweise anfälliger beschrieben, etwa wegen bestimmter Formen der Dornfortsätze.
  • Körperbau: Ein kurzer Rücken gilt als möglicher Risikofaktor.
  • Bewegung und Belastung: Der hintere Brustbereich ist besonders beweglich; wiederholte Überlastung im Sport wird als Mitursache vermutet.
  • Sattel und Reiter: Unpassende Sättel und Druck durch den Reiter können wiederholt reizen.
  • Genetik: Eine Studie fand einen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad und einer bestimmten Genvariante.

Lange galten Kissing Spines als rein erworben: Bei Warmblutfohlen bis drei Monate fand eine Röntgenstudie keine Engstellen. Eine neuere Arbeit beschreibt aber bei untrainierten Vollblut-Jährlingen ähnlich häufige und ähnlich ausgeprägte Befunde wie bei erwachsenen Pferden. Die Autoren der Übersichtsarbeit schlagen deshalb vor, dass ein Teil der Befunde früh im Leben entsteht, etwa durch Veranlagung, schnelles Wachstum und Fütterung (Pilati et al. 2025).

Die verbreitete Aussage, Kissing Spines seien fast immer die Folge falschen Reitens, wird von dieser Datenlage nicht gestützt. Reitweise und Sattel bleiben wichtige Stellschrauben, aber nicht die einzige Erklärung. Für Pferdebesitzer zählt deshalb vor allem, woran sich Beschwerden zeigen.

Woran merkst du, dass Kissing Spines Probleme machen?

Machen Kissing Spines Beschwerden, zeigen sie sich wie andere Rückenschmerzen: unspezifisch und oft schleichend. Übersichtsarbeiten nennen (Domańska-Kruppa et al. 2024; Pilati et al. 2025):

  • Abwehr gegen Putzen, Satteln und Gurten
  • Schmerz beim Abtasten im Brust- und Lendenbereich
  • steifer, wenig beweglicher Rücken unter dem Reiter
  • wenig Schub aus der Hinterhand oder schlechtere Springtechnik
  • vage, schwer zuzuordnende Lahmheit
  • Unlust zu arbeiten und nachlassende Leistung

Unter dem Reiter hilft das Ridden Horse Pain Ethogram, Schmerzverhalten systematisch zu erfassen. Diese Zeichen sind unspezifisch. Sie können ebenso auf Lahmheiten, Sattelprobleme oder Magengeschwüre hinweisen. Mehr dazu im Ratgeber Rückenprobleme beim Pferd erkennen.

Warum drückt mein Pferd beim Putzen den Rücken weg?

Wegdrücken, Ausweichen oder Abwehr beim Putzen und Satteln gehören zu den in Übersichtsarbeiten beschriebenen Hinweisen auf Rückenschmerz (Domańska-Kruppa et al. 2024). Kissing Spines sind dabei nur eine von mehreren möglichen Ursachen. Notiere, wann und an welcher Stelle dein Pferd reagiert, und gib diese Beobachtung an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt weiter.

Wie stellt der Tierarzt die Diagnose?

Die Diagnose stellt der Tierarzt aus mehreren Bausteinen: Vorbericht, klinische Untersuchung, Röntgen-Seitaufnahmen, bei Bedarf Ultraschall und Szintigrafie (Pilati et al. 2025). Ein einheitlich anerkanntes Untersuchungsprotokoll für den Pferderücken gibt es nicht; die Beurteilung durch Abtasten und Bewegen ist stark vom Untersucher abhängig. Häufig eingesetzt wird die diagnostische Anästhesie: Bessern sich die Beschwerden nach örtlicher Betäubung der verdächtigen Region, spricht das für eine Schmerzquelle dort.

Wichtig ist auch der Ausschluss anderer Ursachen. Lahmheiten an Vorder- oder Hinterbein und Schmerzen im Iliosakralgelenk können einen Rückenschmerz vortäuschen (Zimmerman et al. 2012). Der Wert der Anästhesie am Rücken ist allerdings umstritten, weil sich das Betäubungsmittel in benachbarte Strukturen verteilen kann.

Sofort Tierarzt rufen, wenn …

  • Dein Pferd schwankt, stolpert oder sich unkoordiniert bewegt; Erkrankungen an Bandscheiben oder Rückenmark können neurologische Ausfälle verursachen (Domańska-Kruppa et al. 2024).
  • es plötzlich stark lahmt oder ein Bein nicht belastet.

Verschlechtert sich das Verhalten unter dem Sattel plötzlich deutlich, etwa durch Steigen oder Buckeln, lass das zeitnah tierärztlich abklären. Diese Seite ersetzt keine Diagnose.

Befund bei der Ankaufsuntersuchung: was nun?

Ein Röntgenbefund an den Dornfortsätzen bei der Ankaufsuntersuchung ist zunächst eine Information, keine Diagnose. Viele Pferdebesitzer hören den Begriff hier zum ersten Mal. Sinnvolle Fragen an die untersuchende Tierärztin oder den untersuchenden Tierarzt:

  • Wie ausgeprägt ist der Befund, und an welchen Wirbeln liegt er?
  • Zeigt das Pferd im Moment Anzeichen von Rückenschmerz, etwa beim Abtasten, Satteln oder Reiten?
  • Passt der Befund zur geplanten Nutzung, zum Beispiel Springen oder Dressur?
  • Gibt es Vorbefunde oder Behandlungen in der Vorgeschichte?

Eine kleine Studie mit 25 Pferden untersuchte, wie das Reiten im Rahmen einer Ankaufsuntersuchung zur Beurteilung beiträgt; das Ridden Horse Pain Ethogram wurde dort ergänzend eingesetzt (Dyson 2026). Viele Pferde mit solchen Befunden arbeiten beschwerdefrei. Ein auffälliges Bild gehört aber in die Unterlagen, damit spätere Veränderungen vergleichbar sind. Rechtliche Fragen zum Kaufvertrag, etwa ob ein Befund als Mangel gilt, beantwortet eine Anwältin oder ein Anwalt, nicht die tierärztliche Untersuchung.

Wie werden Kissing Spines behandelt?

Kissing Spines werden meist zuerst konservativ behandelt; eine einheitliche Standardtherapie gibt es nicht. Eine einzelne Maßnahme reicht laut Übersichtsarbeit oft nicht, üblich ist eine Kombination (Pilati et al. 2025). In einer internationalen Umfrage unter 353 Spezialisten (Treß et al. 2024):

  • bevorzugten 71 % zunächst konservative Behandlung und eine Operation erst bei ausbleibender Besserung,
  • wurden am häufigsten örtliche Injektionen (26,7 %) und kontrollierte Bewegung (25,5 %) kombiniert,
  • zogen 42 % der europäischen und 25 % der US-Spezialisten manuelle Therapie in Betracht.

Medikamente und Begleittherapien

Die medikamentöse Behandlung soll Entzündung und Schmerz an der betroffenen Stelle senken. Beschrieben sind örtliche Kortison-Injektionen, Mesotherapie und Bisphosphonate (Pilati et al. 2025). In einer Studie verschwanden die Beschwerden nach örtlicher Behandlung zunächst, kehrten langfristig aber zurück. Als Begleittherapien werden unter anderem Stoßwelle, Laser, Akupunktur, Kinesiotape und therapeutischer Ultraschall eingesetzt; die meisten Studien dazu haben keine Kontrollgruppe.

Eine deutschsprachige Literaturübersicht der FU Berlin listet konservative Optionen von entzündungshemmenden Medikamenten über Stoßwelle und Akupunktur bis zu Physiotherapie, Massage, Osteopathie und angepasstem Training. Als bislang aussichtsreichste Kombination nennt sie eine örtliche Behandlung plus gezielten Muskelaufbau (Baudisch et al. 2022).

Operation

Eine Operation kommt meist dann infrage, wenn konservative Behandlung nicht ausreicht. Möglich sind die Entfernung von Knochenanteilen oder die weniger invasive Durchtrennung des Zwischendornbands (Baudisch et al. 2022). Nach der Banddurchtrennung kehrten in einer Studie 51 von 56 Pferden zu irgendeinem Leistungsniveau zurück, 27 von 51 zum gleichen oder einem höheren (Vet Surg 2019).

Die einzige Studie mit passender Kontrollgruppe zeigte bei Vollblut-Hindernispferden nach der Banddurchtrennung langfristig bessere Rennergebnisse; auf andere Disziplinen lässt sich das nicht ohne Weiteres übertragen. Laut einer US-Umfrage brauchten die meisten operierten Pferde auch danach weitere Behandlung (Pilati et al. 2025). Die Zahlen schwanken je nach Studie und Erfolgsdefinition und sind keine Prognose für dein Pferd. Nach jeder Behandlung folgt der Aufbau der Muskulatur.

Welche Rolle spielen Physiotherapie und Training?

Physiotherapie und Training setzen an der Rückenmuskulatur an, die die Wirbelsäule stabilisiert. Ziel ist laut Übersichtsarbeit, den Schmerzkreislauf zu durchbrechen, damit das Pferd seine Rumpfkraft zurückgewinnt (Pilati et al. 2025). Im Mittelpunkt stehen der tiefe Multifidus-Muskel und der Musculus longissimus dorsi.

  • In einer kleinen Studie mit 8 Pferden nahm nach drei Monaten dynamischer Mobilisationsübungen der Querschnitt des Multifidus-Muskels an allen Messstellen zu (Stubbs et al. 2011). Eine Kontrollgruppe gab es nicht, und die Studie war nicht auf Pferde mit Kissing Spines ausgerichtet.
  • Bei 18 Pferden mit Rückenschmerz verbesserten sechs Wochen Wasserlaufband, Longieren oder Laufband Abtastbefund, Muskulatur im Lendenbereich und Schmerzschwellen; die drei Programme unterschieden sich nicht (Geiger et al. 2025). Auch hier fehlte eine Kontrollgruppe.
  • Für Reha und Begleittherapien gibt es noch keine klaren Leitlinien; direkte Wirksamkeitsstudien zu Physiotherapie bei Kissing Spines fehlen weitgehend.

Physiotherapie bei Kissing Spines gehört daher in enge Abstimmung mit der Tierärztin oder dem Tierarzt: Welche Übungen sind erlaubt? Welche Haltung soll vermieden werden? Wann wird kontrolliert? Übungsbeispiele und Studien findest du im Ratgeber Pferd Muskelaufbau: Übungen, Studienlage und Trainingsplanung.

Lassen sich „Blockaden“ im Rücken lösen?

„Blockade“ ist ein Praxisbegriff für eine eingeschränkte, oft schmerzhafte Beweglichkeit, keine tierärztliche Diagnose. Manuelle Techniken mit schnellem Impuls erhöhten in Studien Schmerzschwellen und Beweglichkeit des Brust- und Lendenbereichs; die Effekte hielten oft nur kurz an (Haussler et al. 2021). Bei Kissing Spines ersetzt manuelle Behandlung nicht die Abklärung und den Muskelaufbau. Mehr dazu im Ratgeber Pferdeosteopathie: Methode, Evidenz und Grenzen.

Kann man ein Pferd mit Kissing Spines reiten?

Ja, viele Pferde mit Kissing-Spines-Befund werden geritten und sind leistungsfähig. Bei den 100 Springpferden mit Röntgenbefunden hing das Leistungsniveau nicht von den Befunden ab (Kerbert et al. 2025). Nach einer Operation kehrte in der genannten Studie die Mehrheit der Pferde in die Arbeit zurück (Vet Surg 2019).

Anders liegt der Fall, wenn dein Pferd Rückenschmerzen zeigt. Dann legt die Tierärztin oder der Tierarzt fest, wann und wie es wieder gearbeitet wird. Typisch ist ein schrittweiser Aufbau, bei dem zuerst die Rumpfmuskulatur gestärkt wird. Ein fester Zeitplan lässt sich aus den Studien nicht ableiten.

Was tun nach dem Befund? Dein Plan in fünf Schritten

Der folgende Plan ist unsere redaktionelle Zusammenfassung der Studienlage, kein Behandlungsprotokoll:

  1. Einordnen: Befund und Symptome gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt bewerten. Ohne Beschwerden ist ein Röntgenbefund kein Behandlungsgrund.
  2. Abgrenzen: Lahmheit, Iliosakralgelenk, Sattel und andere Schmerzquellen prüfen lassen.
  3. Behandeln: tierärztlichen Plan umsetzen, meist zuerst konservativ.
  4. Aufbauen: Rumpf- und Rückenmuskulatur mit abgestimmten Übungen stärken, bei Bedarf mit Pferdephysiotherapie.
  5. Kontrollieren: Verlauf mit Videos und Notizen festhalten, Kontrolltermine vereinbaren.

Wo findest du Unterstützung für Reha und Muskelaufbau im Raum München?

Liegt eine tierärztliche Diagnose vor und du suchst Unterstützung für Reha und Muskelaufbau im Raum München, findest du im Verzeichnis Pferdephysiotherapeutinnen und -therapeuten in deiner Nähe. Einfacher geht es über die Anfrage: Beantworte ein paar Fragen zu deinem Pferd – wir finden die passende Pferdephysiotherapie in deiner Region. Die Anfrage kannst du auch stellen, wenn die Abklärung noch läuft; bei Warnzeichen melden wir uns zeitnah und empfehlen dir bei Bedarf eine passende Tierärztin oder einen passenden Tierarzt.

Häufige Fragen

Was sind Kissing Spines beim Pferd?

Kissing Spines sind Dornfortsätze, deren Zwischenraum auf unter 4 mm verengt ist, sodass sie sich berühren oder überlappen. Betroffen ist vor allem die mittlere und hintere Brustwirbelsäule, seltener der Lendenbereich.

Wie merkt man Kissing Spines?

Am Röntgenbild allein nicht: Viele Pferde mit dem Befund sind beschwerdefrei. Machen Kissing Spines Probleme, zeigen sie sich wie andere Rückenschmerzen, etwa durch Abwehr beim Putzen, Satteln und Gurten, einen steifen Rücken, wenig Schub aus der Hinterhand, schlechtere Springtechnik oder nachlassende Leistung. Ob der Befund die Ursache ist, klärt die Tierärztin oder der Tierarzt.

Bedeutet ein auffälliges Röntgenbild immer Schmerzen?

Nein. Von 33 rückengesunden Reitpferden hatten nur 11 normale Dornfortsatzabstände, und laut Übersichtsarbeit hängen Röntgenbild und Beschwerden nicht zuverlässig zusammen. Ob ein Befund klinisch bedeutsam ist, klärt die tierärztliche Untersuchung.

Wie entstehen Kissing Spines?

Die Ursachen sind laut Übersichtsarbeit vielfältig und nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden Alter, Geschlecht, Rasse, Körperbau wie ein kurzer Rücken, wiederholte Belastung, Sattel- und Reiterdruck sowie eine genetische Komponente. Befunde bei untrainierten Jährlingen sprechen dafür, dass ein Teil früh im Leben entsteht.

Muss ein Pferd mit Kissing Spines operiert werden?

Nicht zwingend. In einer Umfrage unter 353 Spezialisten bevorzugten 71 % zunächst konservative Behandlung und erwogen eine Operation erst, wenn diese nicht ausreicht. Die Entscheidung trifft der Tierarzt im Einzelfall.

Kann man ein Pferd mit Kissing Spines reiten?

Oft ja. Bei 100 aktiven Springpferden hatte jedes mindestens einen Röntgenbefund am Rücken, ohne dass das Leistungsniveau davon abhing. Zeigt ein Pferd Rückenschmerzen, legt die Tierärztin oder der Tierarzt fest, ob und wie es nach der Behandlung wieder aufgebaut und geritten wird.

Kann Physiotherapie bei Kissing Spines helfen?

Physiotherapie und gezielter Muskelaufbau werden als Teil konservativer Behandlung eingesetzt. Direkte Wirksamkeitsstudien zu Physiotherapie bei Kissing Spines gibt es kaum, und klare Leitlinien für Reha und Begleittherapie fehlen.

Quellen

  1. Pilati et al. 2025: Impinging and Overriding Spinous Processes in Horses – Narrative Review (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  2. Pilati et al. 2025, Volltext über Europe PMC (Anatomie, Ursachen, Behandlung) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  3. Erichsen et al. 2004: Röntgenbefunde der Dornfortsätze bei rückengesunden Reitpferden (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  4. Turner 2011: Overriding Spinous Processes (Kissing Spines) in Horses – 212 Fälle (AAEP Proceedings) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  5. Kerbert et al. 2025: Röntgenbefunde bei 100 Warmblut-Springpferden (J Equine Vet Sci) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  6. Baudisch, Lischer, Ehrle 2022: Behandlung des Kissing-Spines-Syndroms, Teil 1 (Pferdeheilkunde, FU Berlin) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  7. Baudisch, Lischer, Ehrle 2022: Behandlung des Kissing-Spines-Syndroms, Teil 2 (Pferdeheilkunde, FU Berlin) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  8. Domańska-Kruppa et al. 2024: Advances in the Clinical Diagnostics to Equine Back Pain (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  9. Zimmerman, Dyson, Murray 2012: Rückenschmerz und diagnostische Anästhesie bei 582 Pferden (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  10. Treß et al. 2024: International survey of equine orthopaedic specialists (Vet Rec) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  11. Durchtrennung des Zwischendornbands, 71 Fälle (Vet Surg 2019) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  12. Langzeitergebnisse nach Durchtrennung des Zwischendornbands (Vet Surg 2020) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  13. Stubbs et al. 2011: Dynamische Mobilisationsübungen und M. multifidus (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  14. Geiger et al. 2025: Wasserlaufband, Longieren und Laufband bei Rückenschmerz (BMC Vet Res) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  15. Haussler et al. 2021: Systematic Review of Musculoskeletal Mobilization and Manipulation Techniques (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  16. Dyson 2026: Role of Ridden Exercise in Pre-Purchase Examinations (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026

Weiterlesen

Passende Pferdephysio in deiner Nähe finden

Wir finden die passende Pferdephysiotherapie für dein Pferd in deiner Region. Beantworte ein paar kurze Fragen – wir vermitteln deine Anfrage persönlich an eine passende Therapeutin oder einen passenden Therapeuten in München und im Umkreis von 150 km. Du erfährst, an wen.