Anzeichen & Probleme

Pferd lahmt: Was tun und wann zum Tierarzt?

Kurz gesagt

Wenn dein Pferd lahmt, solltest du es nicht weiter arbeiten, ohne Rücksprache keine Schmerzmittel geben und den Tierarzt kontaktieren; sofort bei fehlender Belastung des Beins, Wunden, Verdacht auf Hufrehe oder plötzlicher starker Lahmheit.

Infografik: Der Erste-Stunde-Plan bei Lahmheit mit Notfallzeichen, Beobachtungen und dem Anruf beim Tierarzt

Lahmt dein Pferd, ist das immer ein Grund, genauer hinzusehen. Lahmheit ist der häufigste Grund, ein Pferd beim Tierarzt vorzustellen (Witte 2023). Manche Lahmheiten sind Notfälle, andere entwickeln sich schleichend. Diese Seite hilft dir, die Lage einzuschätzen; die Diagnose stellt der Tierarzt.

Sofort Tierarzt rufen, wenn …

  • Dein Pferd ein Bein nicht oder kaum belastet.
  • tiefe oder große Wunden, Blutungen, Draht- oder Stichverletzungen zu sehen sind (University of Missouri).
  • eine Wunde über einem Gelenk, einer Sehnenscheide oder einem Schleimbeutel liegt, auch wenn sie klein ist (B&W Equine).
  • der Verdacht auf Hufrehe besteht, etwa bei warmen Hufen, besonders am Kronrand, kurzen, vorsichtigen Schritten, Muskelzittern oder erhöhter Temperatur, Puls und Atmung (AAEP; Merck Veterinary Manual).
  • die Lahmheit plötzlich und stark auftritt (University of Sydney).

Bei schwerer Lahmheit, etwa mit Verdacht auf einen Bruch, das Pferd nicht weiter bewegen: Weitere Bewegung kann die Verletzung massiv verschlimmern (Merck Veterinary Manual).

Was bedeutet es, wenn ein Pferd lahmt?

Ein Pferd lahmt, wenn sein normaler Stand oder Gang durch ein Problem an einem oder mehreren Beinen, am Hals, am Rumpf oder an der Hinterhand verändert ist. Lahmheit ist keine eigene Krankheit, sondern ein Zeichen für eine Störung im Bewegungsapparat (Merck Veterinary Manual).

Das Merck Veterinary Manual unterscheidet drei Formen:

  • Schmerzbedingte Lahmheit: die häufigste Form. Das Pferd entlastet ein schmerzendes Bein.
  • Mechanische Lahmheit: ohne Schmerz, etwa durch vernarbtes, verdicktes Gewebe oder eine anatomische Fehlstellung.
  • Nervlich bedingte Lahmheit: durch Störungen der Nerven, zum Beispiel beim Hahnentritt, bei dem das Pferd die Beine im Schritt übertrieben stark beugt.

Welche Form vorliegt, unterscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt. Für dich zählt zuerst, die Lahmheit überhaupt zu erkennen.

Woran erkennst du eine Lahmheit?

Eine Lahmheit erkennst du am deutlichsten im Trab auf hartem, geradem Boden; auf dem Zirkel wird sie oft stärker sichtbar (Merck Veterinary Manual):

  • Vorderbein: Das Pferd nickt mit dem Kopf. Der Kopf geht hoch, wenn das schmerzende Bein aufsetzt.
  • Hinterbein: Das Becken bewegt sich ungleichmäßig, die Hüfte der lahmen Seite hebt und senkt sich stärker („Hüfthub“).
  • Rhythmus: Der Takt wird unregelmäßig. Reiterinnen sprechen von Taktunreinheit.

Achtung, Täuschung möglich: Pferde gleichen Schmerzen aus. Bei Vorderbeinlahmheit zeigt sich häufig eine Ausgleichsbewegung im gegenüberliegenden Hinterbein, bei Hinterbeinlahmheit im gleichseitigen Vorderbein (Studie mit 367 lahmen Pferden, Equine Vet J 2021). Welches Bein wirklich betroffen ist, klärt die Untersuchung.

Stützbein- oder Hangbeinlahmheit?

Viele Ratgeber unterscheiden die Stützbeinlahmheit, bei der das Pferd beim Belasten des Beins Schmerzen zeigt, von der Hangbeinlahmheit, die beim Vorführen des Beins auffällt. In der Praxis ist diese Einteilung nur begrenzt brauchbar: In Versuchen ließ sich etwa Schmerz im Hufgelenk (eher Stützbein) und in der Schulter (eher Hangbein) nicht zuverlässig an den Messwerten unterscheiden (Witte 2023). Beschreibe deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt deshalb lieber, was du siehst, als eine Kategorie zu vergeben.

Was tun in der ersten Stunde?

Der Erste-Stunde-Plan ist unsere redaktionelle Zusammenfassung der belegten Empfehlungen für die ersten Schritte. Er ersetzt nicht den Rat deines Tierarztes.

  1. Arbeit beenden. Reite oder longiere nicht weiter. Bei schwerer Lahmheit das Pferd möglichst dort lassen, wo es steht.
  2. Ansehen, nicht behandeln. Prüfe Bein und Huf auf Wunden, Fremdkörper, Schwellung und Wärme. Fühle, ob ein Huf deutlich wärmer ist als die anderen.
  3. Keine Schmerzmittel ohne Rücksprache. Schmerzmittel können den Befund verschleiern (University of Edinburgh). Hat dein Pferd schon ein Schmerzmittel bekommen, sag das der Tierärztin oder dem Tierarzt (Merck Veterinary Manual).
  4. Tierarzt anrufen. Schildere, seit wann, wie stark und an welchem Bein du die Lahmheit siehst.
  5. Dokumentieren. Filme das Pferd, sofern es gefahrlos geht, im Schritt auf festem Boden von vorn und von hinten; für Vorderbeine ist eine Aufnahme frontal auf die Kamera zu am aussagekräftigsten (BMC Vet Res 2024). Halte den Impfpass bereit: Hufabszesse gehören in Europa zu den häufigsten Eintrittspforten für Tetanus beim erwachsenen Pferd (J Vet Emerg Crit Care 2017).

Hausmittel ersetzen diese Schritte nicht. Selbst beim häufigen Hufabszess nennt das Merck Veterinary Manual Hufbäder und Schmerzmittel als Standardbehandlung, nachdem der Abszess aufgebrochen ist oder geöffnet wurde. Ob es wirklich ein Abszess ist und welches Schmerzmittel passt, klärt die Tierärztin oder der Tierarzt.

Welche Ursachen hat eine Lahmheit?

Die häufigste Ursache einer Lahmheit ist Schmerz, und die häufigste Schmerzquelle liegt im Huf. Das Merck Veterinary Manual nennt Hufabszesse als häufigste Lahmheitsursache überhaupt und führt weitere Ursachengruppen auf:

  • Huf: Abszesse, Prellungen der Sohle, Hufrehe, Stichverletzungen, Hufbeinbrüche und das Hufrollensyndrom.
  • Gelenke, Sehnen und Bänder: Entzündungen, meist ohne Infektion, und Überlastungsschäden durch wiederholte Belastung.
  • Verletzungen: direkte oder indirekte Traumata, etwa Tritte oder Stürze.
  • Körperbau und Entwicklung: Fehlstellungen der Beine und Entwicklungsstörungen junger Pferde.
  • Haltung und Training: unausgeglichene Hufe oder schlechter Beschlag, unzureichende Kondition, harter, rutschiger oder steiniger Boden.

Eine Lahmheit an einer Stelle führt oft zu Schmerzen an einer anderen, auch am gegenüberliegenden Bein (Merck Veterinary Manual). Lahme Pferde haben zudem häufig Rückenprobleme: In einer Studie betraf das 32 % (Landman et al. 2004).

Das Hufrollensyndrom (Strahlbeinerkrankung) ist eine der häufigsten Ursachen dauerhafter Vorderbeinlahmheit bei Sportpferden. Es tritt meist erst mit 8 bis 10 Jahren auf, häufiger bei Warmblütern, Quarter Horses und Vollblütern, und kann beide Vorderbeine betreffen. Die Lahmheit kommt und geht (Merck Veterinary Manual).

Pferd lahmt ohne Schwellung: woran liegt das?

Eine Lahmheit ohne äußere Anzeichen ist häufig, weil die wichtigsten Ursachen im Huf liegen, also unsichtbar unter dem Horn.

  • Der Huf ist eine der häufigsten Lahmheitsquellen überhaupt (Merck Veterinary Manual).
  • Ein Hufabszess gilt als häufigste Ursache akuter schwerer Lahmheit. Das Spektrum reicht von kaum sichtbar bis zur völligen Entlastung des Beins (Vet Clin North Am Equine Pract 2012).
  • Hufrehe wird leicht übersehen: In einer britischen Studie erkannten Besitzer sie in 45,2 % der bestätigten Fälle nicht (Equine Vet J 2017). Die AAEP rät, schon den Verdacht als Notfall zu behandeln.

Eine Lahmheit, die mal da ist und mal nicht, ist ebenfalls ein Fall für den Tierarzt. Auch eine anhaltende oder wiederkehrende leichte Lahmheit gehört zur Untersuchung (University of Sydney). Wie stark die Lahmheit ist, beschreiben Tierärzte mit einer Skala.

Wie stark lahmt mein Pferd? Die Lahmheitsgrade

Tierärzte beschreiben die Stärke oft mit der Skala der AAEP von 0 bis 5. Die Einteilung hier folgt einer Fachstudie, weil der Originaltext der AAEP für uns nicht abrufbar war (Bertuglia et al. 2016).

GradWas man sieht
1schwer erkennbar, nicht konstant
2im Schritt bzw. geraden Trab schwer erkennbar, unter bestimmten Bedingungen konstant
3im geraden Trab konstant sichtbar
4schon im Schritt deutlich
5Bein wird kaum belastet

Leichte Grade sind auch für Fachleute schwierig: Lag der mittlere AAEP-Grad über 1,5, stimmten Tierärzte in einer Studie in 93,1 % der Fälle überein, ob ein Bein lahm ist, bei Grad 1,5 oder weniger nur in 61,9 % (Keegan et al. 2010). Der Grad sagt zudem nichts darüber, wie ernst die Ursache ist. Mehr unter Lahmheitsgrade.

Wie untersucht der Tierarzt eine Lahmheit?

Die Lahmheitsuntersuchung beginnt mit dem Vorbericht und folgt meist dieser Reihenfolge (University of Edinburgh; Merck Veterinary Manual):

  1. Vorbericht: Alter, Nutzung, Training, Beginn der Lahmheit, letzter Beschlag und bisherige Medikamente.
  2. Abtasten: Beine im Stand und angehoben auf Wärme, Schmerz und Schwellung; Hufe mit der Hufzange; auch Rücken und Hals.
  3. Vortraben auf hartem und weichem Boden, gerade und im Zirkel, manchmal unter dem Sattel. Bei Verdacht auf einen Bruch entfällt dieser Schritt.
  4. Beugeprobe: Ein Bein wird etwa 60 Sekunden gebeugt, dann trabt das Pferd an. Das Ergebnis ist nur ein Hinweis: Über 60 % von 100 gesunden Pferden reagierten in einer Studie positiv auf die Beugeprobe am unteren Vorderbein (Busschers & van Weeren 2001).
  5. Diagnostische Anästhesie: Nerven oder Gelenke werden schrittweise von unten nach oben betäubt, bis die Lahmheit verschwindet oder deutlich nachlässt.
  6. Bildgebung: Röntgen, Ultraschall, Szintigrafie oder MRT an der verdächtigen Stelle.

Weil eine Lahmheit auch nervlich bedingt sein kann, gehört oft eine neurologische Untersuchung dazu, etwa enge Wendungen und Rückwärtsrichten (Merck Veterinary Manual). Ergänzend nutzen manche Praxen eine sensorgestützte Ganganalyse. In einer Studie mit 106 Pferden passten Sensordaten zur tierärztlichen Beurteilung; die Autoren sehen sie als Ergänzung, nicht als Ersatz (Am J Vet Res 2013).

Was kostet eine Lahmheitsuntersuchung?

Die Lahmheitsuntersuchung beim Pferd hat in der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) einen einfachen Satz von 51,31 Euro. Tierärzte rechnen nach § 2 GOT das Einfache bis Dreifache ab, je nach Aufwand und Umständen; die Umsatzsteuer kommt hinzu. Die folgende Tabelle zeigt ausgewählte Positionen aus dem Gebührenverzeichnis (Abruf 08.10.2026):

Leistung (GOT-Nummer)einfacher Satzdreifacher Satz
Lahmheitsuntersuchung Pferd (837)51,31 €153,93 €
Orthopädische Untersuchung, eingehend, Pferd (835)138,00 €414,00 €
Leitungsanästhesie, je Anwendung (285)15,39 €46,17 €
Anästhesie im Gelenk (286)30,78 €92,34 €
Röntgen, erste und zweite Aufnahme, je (166)26,53 €79,59 €
Zuschlag ambulantes Röntgen, je Besuch (168)30,78 €92,34 €
Ultraschalluntersuchung (180)58,92 €176,76 €
Szintigrafie Pferd (179)457,94 €1.373,82 €

Im Stall kommt Wegegeld hinzu: 3,50 Euro je Doppelkilometer, mindestens 13 Euro (§ 10 GOT). Im tierärztlichen Notdienst nachts, am Wochenende oder an Feiertagen gilt mindestens der doppelte Satz, dazu eine Notdienstgebühr von 50 Euro (§ 4 GOT). Welche Positionen anfallen, hängt vom Befund ab; frag vorab, womit du rechnen musst.

Wie lange dauert es, bis ein Pferd nicht mehr lahmt?

Die Dauer einer Lahmheit hängt allein von der Ursache ab; eine allgemeine Zeitangabe gibt es nicht. Drei Beispiele aus dem Merck Veterinary Manual:

  • Hufabszess: Die Lahmheit ist oft stark, bis der Abszess aufbricht oder geöffnet wird. Bis die Infektion abgeklungen ist, vergehen einige Tage, im ungünstigen Fall Wochen.
  • Eingezogene Trachten: In fortgeschrittenen Fällen dauert die Erholung mit Korrekturbeschlag 6 bis 12 Monate.
  • Hufrollensyndrom: Die Erkrankung ist dauerhaft und fortschreitend. Sie wird bei manchen Pferden über Hufbearbeitung, Beschlag, entzündungshemmende Medikamente und bei starker Lahmheit Ruhe langfristig begleitet.

Für Verletzungen an Sehnen, Bändern oder Knochen legt die Tierärztin oder der Tierarzt einen Reha-Plan fest. Hier kommt häufig die Physiotherapie ins Spiel.

Wann kommt Physiotherapie dazu?

Pferdephysiotherapie beginnt nach der Diagnose, nicht davor. Zwei Situationen sind typisch:

Rehabilitation nach Verletzungen. Kontrollierte, stufenweise gesteigerte Bewegung ist laut einer Übersichtsarbeit ein Kernbestandteil der Reha verletzter Pferde (Vet Clin North Am Equine Pract 2016). Pferdephysiotherapeutinnen können den Plan des Tierarztes im Alltag begleiten und Fortschritte dokumentieren.

Folgen der Lahmheit am Rücken. Lahme Pferde verändern ihre Rumpfbewegung. In einer Studie hatten 32 % der lahmen Pferde zusätzlich Rückenprobleme (Landman et al. 2004). Mehr dazu im Ratgeber Rückenprobleme beim Pferd erkennen; einen häufigen Röntgenbefund am Rücken erklärt der Ratgeber Kissing Spines beim Pferd: Befund, Anzeichen und Behandlungswege.

Studien zu einzelnen Physiotherapie-Verfahren nach Lahmheit sind klein; einen Behandlungserfolg kann niemand zusagen. Welche Methoden es gibt und wie gut sie untersucht sind, liest du im Ratgeber Pferdephysiotherapie: was sie ist und was sie kann.

Wie kannst du Lahmheiten vorbeugen?

Vorbeugen lässt sich an den Risikofaktoren, die das Merck Veterinary Manual nennt. Nicht jede Lahmheit ist vermeidbar, aber diese vier Punkte liegen in deiner Hand:

  1. Hufe regelmäßig bearbeiten lassen. Unausgeglichene Hufe und schlechter oder zu lange liegender Beschlag zählen zu den Ursachen.
  2. Kondition schrittweise aufbauen. Unzureichend trainierte Sportpferde und junge Pferde mit noch nicht ausgereiften Knochen sind anfälliger.
  3. Boden prüfen. Harter, rutschiger oder steiniger Untergrund erhöht das Risiko.
  4. Belastung abwechseln. Wiederholte gleichförmige Belastung kann Knochen, Sehnen, Bänder und Gelenke überlasten.

Melde kleine Veränderungen im Gangbild früh: Leichte Lahmheiten sind auch für Fachleute schwer zu sehen, und Videos aus dem Alltag helfen bei der Einordnung.

Wo findest du Begleitung für die Reha im Raum München?

Ist die Ursache tierärztlich geklärt und dein Pferd soll in der Reha begleitet werden? Im Verzeichnis findest du Pferdephysiotherapeutinnen und -therapeuten im Raum München. Oder du nutzt die Anfrage: Beantworte ein paar Fragen zu deinem Pferd – wir finden die passende Pferdephysiotherapie in deiner Region. Die Anfrage kannst du auch stellen, wenn die Abklärung noch aussteht: Bei Warnzeichen melden wir uns zeitnah und empfehlen dir bei Bedarf eine passende Tierärztin oder einen passenden Tierarzt. In einem akuten Notfall ruf aber zuerst den tierärztlichen Notdienst. Worauf du bei der Auswahl achten kannst, steht im Ratgeber Pferdephysiotherapeut finden.

Häufige Fragen

Was bedeutet es, wenn ein Pferd lahmt?

Ein Pferd lahmt, wenn sein Stand oder Gang durch ein Problem an Beinen, Hals, Rumpf oder Hinterhand verändert ist. Lahmheit ist keine eigene Krankheit, sondern ein Zeichen. Die häufigste Ursache ist Schmerz; seltener stecken mechanische oder nervliche Störungen dahinter.

Was tun, wenn das Pferd plötzlich lahmt?

Pferd nicht weiter arbeiten, bei schwerer Lahmheit möglichst nicht bewegen, Bein und Huf auf Wunden, Schwellung und Wärme ansehen, ohne Rücksprache keine Schmerzmittel geben und den Tierarzt anrufen. Bei fehlender Belastung, Wunden oder Verdacht auf Hufrehe ist es ein Notfall.

Wann ist eine Lahmheit beim Pferd ein Notfall?

Ein Notfall liegt vor, wenn das Pferd ein Bein nicht belastet, bei tiefen oder blutenden Wunden, bei Draht- oder Stichverletzungen, bei Wunden über Gelenken oder Sehnenscheiden und bei Verdacht auf Hufrehe. Auch eine plötzliche starke Lahmheit gehört sofort zum Tierarzt.

Pferd lahmt ohne Schwellung – was kann dahinterstecken?

Viele Lahmheiten haben keine sichtbare Schwellung. Der Huf ist eine der häufigsten Lahmheitsquellen, und ein Hufabszess gilt als häufigste Ursache akuter schwerer Lahmheit. Auch Hufrehe wird von Besitzern oft nicht erkannt. Die Ursache klärt der Tierarzt.

Wie lange dauert es, bis ein Pferd nicht mehr lahmt?

Das hängt von der Ursache ab. Bei einem Hufabszess kann es einige Tage, im ungünstigen Fall Wochen dauern, bis die Infektion abgeklungen ist. Chronische Erkrankungen wie das Hufrollensyndrom gelten als dauerhaft und werden langfristig begleitet. Eine Prognose stellt die Tierärztin oder der Tierarzt nach der Diagnose.

Was kostet eine Lahmheitsuntersuchung beim Pferd?

Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) sieht für die Lahmheitsuntersuchung beim Pferd einen einfachen Satz von 51,31 Euro vor, abrechenbar bis zum Dreifachen, also bis 153,93 Euro, zuzüglich Umsatzsteuer. Dazu kommen je nach Bedarf Anästhesien, Röntgen, Ultraschall, Wegegeld und im Notdienst Zuschläge.

Hilft Physiotherapie, wenn ein Pferd lahmt?

Physiotherapie ersetzt keine Lahmheitsdiagnose. Nach der tierärztlichen Diagnose kann sie Teil der Rehabilitation sein, etwa mit kontrollierter, schrittweise gesteigerter Bewegung, und Folgeverspannungen am Rücken begleiten.

Quellen

  1. University of Missouri Veterinary Health Center: Recognizing a medical emergency in horses (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  2. University of Sydney Veterinary Hospital: Lameness (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  3. MSD/Merck Veterinary Manual (Pferdebesitzer): Disorders of the Foot in Horses (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  4. MSD/Merck Veterinary Manual (Pferdebesitzer): Lameness in Horses (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  5. B&W Equine: Synovial sepsis information (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  6. University of Edinburgh, Royal (Dick) School: The lame horse (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  7. AAEP: Learn to Recognize the Signs of Laminitis (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  8. Assessment of horse owners' ability to recognise equine laminitis (Equine Vet J 2017) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  9. Septic diseases associated with the hoof complex (Vet Clin North Am Equine Pract 2012) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  10. Tetanus bei 155 erwachsenen Equiden in Europa, Teil 1 (J Vet Emerg Crit Care 2017) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  11. Witte 2023: Lahmheitsdiagnostik, Der Praktische Tierarzt 104(9) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  12. Upper body movement analysis of multiple limb asymmetry in 367 lame horses (Equine Vet J 2021) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  13. Effect of video angle on detection of induced front limb lameness in horses (BMC Vet Res 2024) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  14. Bertuglia et al. 2016, BMC Vet Res, Tabelle 1 (AAEP-Lahmheitsskala) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  15. Keegan et al. 2010: Repeatability of subjective evaluation of lameness in horses (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  16. Busschers & van Weeren 2001: Flexion test of the distal forelimb in the sound horse (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  17. Comparison of a body-mounted inertial sensor system with subjective lameness evaluation (Am J Vet Res 2013) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  18. Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT 2022), §§ 2, 4, 10 (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  19. GOT 2022, Anlage (Gebührenverzeichnis) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  20. Controlled Exercise in Equine Rehabilitation (Vet Clin North Am Equine Pract 2016) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  21. Landman et al. 2004: Rückenprobleme und Lahmheit (Vet Rec) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026

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