Anzeichen & Probleme

ISG-Probleme beim Pferd: Anzeichen, Abklärung und Rolle der Physiotherapie

Kurz gesagt

ISG-Probleme beim Pferd sind Schmerzen der Region zwischen Kreuzbein und Becken. Häufige Zeichen sind fehlender Schub aus der Hinterhand, ein schlechterer Galopp als Trab und Steifheit unter dem Reiter. Die Tierärztin oder der Tierarzt klärt per Ausschluss ab; Physiotherapie kann danach begleiten.

Infografik: Abklärung von ISG-Problemen beim Pferd in 4 Stufen, von Warnzeichen über Lahmheitsuntersuchung und diagnostische Anästhesie bis zur Bildgebung

ISG-Probleme beim Pferd sind Schmerzen oder Veränderungen in der Region des Iliosakralgelenks zwischen Kreuzbein und Becken. Sie zeigen sich meist unter dem Reiter, etwa als fehlender Schub oder schlechter Galopp. Die Zeichen sind unspezifisch, deshalb klärt zuerst die Tierärztin oder der Tierarzt ab.

Kurz zusammengefasst

  • In einer Klinik-Fallserie hatten nur 43 von 296 Pferden ausschließlich ISG-Region-Schmerz; 253 hatten weitere Schmerzquellen.
  • Häufigstes Zeichen unter dem Sattel: Der Galopp war schlechter als der Trab (81 %).
  • Einen einzelnen Referenztest gibt es nicht. Die Diagnose entsteht per Ausschluss, Betäubung und Bildgebung.
  • „ISG-Blockade“ ist ein Laienbegriff und in der Fachliteratur nicht als Diagnose gebräuchlich.
  • Physiotherapie begleitet abgeklärte, leichte Fälle; eine kontrollierte Studie speziell zum ISG haben wir nicht gefunden (Stand 16.10.2026).

Was ist das ISG beim Pferd, und was leistet es?

Das ISG (Iliosakralgelenk, Kreuzdarmbeingelenk) ist ein Gelenk zwischen Darmbeinflügel und Kreuzbeinflügel. Das ISG überträgt die Schubkraft der Hinterhand auf Wirbelsäule und Rumpf. Drei Bänderpaare halten es stabil, die Beweglichkeit ist gering (Haussler 2004).

Die Gelenkflächen liegen eng und fast eben aufeinander, die Kapsel ist dünn. Das interossäre Band zwischen den Knochen trägt den Hauptteil der senkrechten Last. Möglich ist nur eine kleine Nickbewegung; seitliche Bewegung ist stark eingeschränkt, Drehung verhindert.

Die häufigste Veränderung im Gelenk ist laut Haussler Arthrose, meist beidseitig am hinteren inneren Rand. Veränderungen sind aber nicht gleich Schmerz: An 25 ISG von 15 Warmblut-Kadavern zeigten alle Gelenke Veränderungen in der Computertomografie; die Autoren deuten sie eher als Anpassung an die Belastung (Mathys et al. 2025). Auch in München wurde das Gelenk erforscht: Eine Dissertation der LMU München beschrieb das ISG gesunder Pferde und 20 Klinikfälle, um ein Untersuchungsprotokoll für den deutschsprachigen Raum zu entwickeln (Kowalczyk 2008).

Die Fachliteratur spricht deshalb von Schmerz der ISG-Region: Gemeint sind Gelenk, Bänder, Muskulatur und Nachbarstrukturen.

Gibt es eine „ISG-Blockade“ beim Pferd?

„ISG-Blockade“ ist ein Laienbegriff; in der Fachliteratur ist er nicht als Diagnose gebräuchlich. In den von uns geöffneten Fachquellen stehen stattdessen Schmerz, Dysfunktion, Bandentzündung, Arthrose oder Subluxation.

Eine Subluxation, also eine teilweise Verschiebung im Gelenk, nennt Dyson (2004) als beschrieben, aber nicht belegt. Belege dafür, dass sich ein Pferde-ISG „verschiebt“ und wieder „einrenken“ lässt, haben wir in den gesichteten Quellen nicht gefunden.

Verwechslungsgefahr besteht beim Wort „Blockade“: In der Tiermedizin heißt so auch die diagnostische Betäubung mit einem Lokalanästhetikum. Dabei betäubt die Tierärztin oder der Tierarzt eine Region probeweise und prüft, ob sich das Gangbild bessert (siehe diagnostische Anästhesie).

Unsere Ableitung: Wer von „Blockade“ spricht, beschreibt damit oft eine Steifheit oder Schutzspannung, die er ertastet oder sieht. Diese Beobachtung ist ernst zu nehmen, ersetzt aber keine Diagnose der Ursache.

Woran erkennst du ISG-Probleme beim Pferd?

ISG-Probleme beim Pferd zeigen sich vor allem unter dem Sattel: fehlender Schub, ein schlechterer Galopp als Trab, Steifheit, schlechte Anlehnung und Buckeln. In einer Fallserie traten diese Zeichen unter dem Reiter deutlich häufiger auf als an der Longe (Barstow & Dyson 2015).

Die Fallserie umfasst 296 Pferde, untersucht von 2004 bis 2014 (Royal Veterinary College und Animal Health Trust, Großbritannien). Nur 43 davon hatten ausschließlich ISG-Region-Schmerz. In dieser kleinen Gruppe zeigten:

Zeichen bei reinem ISG-Region-Schmerz (n = 43)Anteil
Galopp schlechter als Trab81 %
schlechte Anlehnung unter dem Sattel65 %
Rumpfsteifheit bei der Arbeit61 %
mangelnder Schub aus der Hinterhand56 %
eingeschränkte Biegsamkeit der Brust-/Lendenwirbelsäule44 %
erhöhte Spannung des Musculus longissimus dorsi40 %
Buckeln oder Austreten im Galopp35 %

Die drei Werte unter dem Sattel (65 %, 81 %, 35 %) nennt die Zusammenfassung der Studie direkt im Anschluss an diese Gruppe, ohne sie ausdrücklich zuzuordnen. Lies die Zahlen als Häufigkeiten in einer ausgewählten Klinikgruppe, nicht als Test. Eingeschlossen wurden nur Pferde mit positiver Betäubung oder auffälliger Szintigrafie.

Weitere beschriebene Zeichen sind Unwilligkeit zu springen, Leistungsabfall, Hinterhandlahmheit und, vor allem bei akuten Verletzungen, Druckempfindlichkeit über den Kreuzbeinhöckern (Dyson 2004). Bei länger bestehenden Fällen nennt das MSD Veterinary Manual Rückenempfindlichkeit, wechselnde Hinterhandlahmheit und schleifende Hinterzehen. Ein Übersichtskapitel ergänzt einen zur Seite getragenen Schweif und ein Gangbild auf drei Spuren (Skivington et al. 2020). Buckeln kann bei jungen Pferden auch Frust sein; anhaltendes Buckeln wertet das Kapitel aber als Schmerzzeichen.

Wo macht das ISG Schmerzen? Das Gelenk liegt tief unter der Kruppe. Schmerz zeigt sich deshalb eher indirekt: als Druckempfindlichkeit über dem Kreuzbein, als steifer Rücken oder als Bewegungsproblem der Hinterhand. Eine ungleiche Kruppe ist laut Dyson (2004) ausdrücklich nicht gleichbedeutend mit ISG-Schmerz. Wie du Rückenzeichen allgemein einordnest, zeigt der Ratgeber Rückenprobleme beim Pferd erkennen.

Wann muss dein Pferd sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt?

Sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt gehört dein Pferd bei plötzlicher, deutlicher Hinterhandlahmheit, besonders nach Sturz oder Verletzung, und bei Schwanken oder unkoordinierten Bewegungen. Akute ISG-Fälle zeigen laut MSD Veterinary Manual starken Beckenschmerz mit deutlicher Lahmheit.

Sofort Tierärztin oder Tierarzt rufen, wenn …

  • dein Pferd plötzlich stark lahmt oder ein Bein nicht belastet.
  • es nach einem Sturz oder einer Verletzung hinten deutlich lahmt.
  • es schwankt, stolpert, sich unkoordiniert bewegt oder nicht aufstehen kann.
  • Anzeichen einer Kolik, Wunden oder Schwellungen auftreten.

Bei akuter Gefahr ruf den tierärztlichen Notdienst an. Bis zur Untersuchung nicht reiten, nicht longieren und nicht behandeln lassen.

Der Grund für die Trainingspause: Unvollständige Stressbrüche im Darmbein können bei zu früher Belastung komplett brechen; früh erkannt und mit Ruhe ist die Prognose sehr gut (MSD, Disorders of the Hip). Das betrifft laut MSD vor allem Vollblut-Rennpferde. Schwanken oder Lähmungen können auf Rückenmarksschäden, Bandscheibenprobleme oder Wirbelbrüche hinweisen (Domańska-Kruppa et al. 2024).

Zeitnah abklären lassen solltest du Zeichen, die über Wochen bestehen: Leistungsabfall, schlechter Galopp, Steifheit oder wiederkehrende Rittigkeitsprobleme. Du kannst trotz Warnzeichen eine Anfrage stellen. Wir kennzeichnen sie dann als dringend und melden uns zeitnah; den Notdienst ersetzt das nicht.

Welche anderen Ursachen sehen wie ein ISG-Problem aus?

ISG-Probleme sehen anderen Ursachen von Hinterhand- und Rückenschmerz sehr ähnlich, etwa Fesselträgerschäden, Kissing Spines, Beckenbrüchen und Lendenproblemen. Von 296 Pferden der Fallserie hatten 253 neben dem ISG weitere Schmerzquellen (Barstow & Dyson 2015).

Mögliche UrsacheWas daran ähnlich istWer klärt ab
Hinterhandlahmheit, z. B. Fesselträgerursprungin einer Fallserie häufig zugleich mit ISG-Schmerz (Skivington 2020); Sattel rutscht bei 54 % der hinten lahmen Pferde (Greve & Dyson 2013)Tierärztin oder Tierarzt, Lahmheitsuntersuchung
Kissing Spines und Rückenschmerzsteifer Rücken, schlechte Leistung; Rückenschmerz liegt bei Hinterhandlahmheit oft nebenher vorTierärztin oder Tierarzt, siehe Kissing Spines beim Pferd
Stressbruch oder Bruch des DarmbeinsHinterhandlahmheit, BeckenschmerzTierärztin oder Tierarzt, Ultraschall als erste Wahl (MSD)
Lenden- oder Lumbosakralgelenkgleiche Region; Betäubungen verteilen sich in Nachbarstrukturen (Walter 2024)Tierärztin oder Tierarzt
Weichteilverletzung über den KreuzbeinhöckernSchmerz im Kruppenbereich (Dyson 2004)Tierärztin oder Tierarzt
Neurologische UrsacheSchwanken, Stolpern, LähmungTierärztin oder Tierarzt, sofort
Muskelschwund durch Schonungungleiche Kruppe; gesunde Pferde zeigen oft leichte Asymmetrien (Dyson 2004)Untersuchung, danach Training

In einer Fallserie mit 75 Springpferden war die ISG-Verstauchung mit 40 % die häufigste Diagnose, eine Hinterhandlahmheit lag bei etwa 71 % vor (Shokry et al. 2025). Die Gruppe ist klein und stammt aus Ägypten. Mehr zum Vorgehen bei Lahmheit liest du im Ratgeber Pferd lahmt: Was tun und wann zum Tierarzt?.

Wie klärt die Tierärztin oder der Tierarzt ISG-Probleme ab? Die 4-Stufen-Abklärung

Die Abklärung von ISG-Problemen folgt keinem einzelnen Test, sondern einem Ausschlussweg: Beobachtung, Lahmheitsuntersuchung, diagnostische Betäubung und Bildgebung. Einen Referenztest („Goldstandard“) gibt es laut einem Review von 2024 nicht (Walter et al. 2024).

Unsere Ableitung aus Dyson (2004), Barstow & Dyson (2015) und Walter et al. (2024) ist die 4-Stufen-Abklärung. Vorher gilt: Bei Warnzeichen (siehe Box oben) sofort tierärztlich handeln.

  1. Stufe 1, Beobachten und Vorbericht: Wann treten die Zeichen auf, geritten oder an der Longe? Was hat sich bei Training, Sattel oder Reiter verändert? Weil die Zeichen unter dem Reiter häufiger sind, gehört die Untersuchung unter dem Sattel dazu (Barstow & Dyson 2015).
  2. Stufe 2, Lahmheitsuntersuchung und Ausschluss: Die Tierärztin oder der Tierarzt tastet Becken und Hinterhandmuskulatur ab, beurteilt das Gangbild und schließt andere Ursachen einer Hinterhandlahmheit aus (Dyson 2004, Walter 2024). Wie Lahmheit eingestuft wird, erklärt Lahmheitsgrade.
  3. Stufe 3, diagnostische Betäubung: Ein Lokalanästhetikum wird um die ISG-Region gespritzt. In der Fallserie besserten sich 98 % der Pferde deutlich, wobei nur Pferde mit positivem Befund eingeschlossen waren; die Autoren nennen den Block nützlich und sicher, aber nicht spezifisch. Betäubungen können falsch positiv sein (Skivington 2020).
  4. Stufe 4, Bildgebung: Rektaler Ultraschall zeigt Knochenumbau, Gelenkspalt und Bänder; die Szintigrafie zeigt auffällige Anreicherungen und wird laut MSD Veterinary Manual für eine sichere Diagnose meist benötigt. Die Computertomografie gilt als vielversprechend (Walter 2024).

Wie aussagekräftig die Bilder sind, zeigt die Fallserie: Die Szintigrafie war bei 85 von 180 Pferden auffällig (47 %), der rektale Ultraschall bei 41 von 129 Pferden (32 %). Negative Befunde schließen ISG-Schmerz also nicht aus (Barstow & Dyson 2015). Umgekehrt haben laut MSD Veterinary Manual auch Pferde ohne ISG-Schmerz auffällige Ultraschallbilder. Unsere Ableitung: Am Ende steht keine Gewissheit, sondern eine Einschätzung, die die Tierärztin oder der Tierarzt mit dem Gangbild zusammen bewertet.

Wie wird ein ISG-Problem tierärztlich behandelt?

Die tierärztliche Behandlung von ISG-Problemen ist laut MSD Veterinary Manual überwiegend unterstützend: Kortikoid-Injektion um das Gelenk, Stoßwellen, gepulste elektromagnetische Therapie und ein Reha-Programm. Begleitende Lahmheiten, etwa am Fesselträger, werden mitbehandelt (Bathe 2012).

Welche Spritze? Das MSD Veterinary Manual nennt die Injektion eines Kortikoids in die Umgebung des Gelenks. Eine Betäubung direkt im Gelenk birgt laut MSD das Risiko einer Ischiasnervlähmung; Eingriffe in dieser Region sind deshalb tierärztliche Aufgabe. Zu Wirksamkeit und Häufigkeit nennt das Nachschlagewerk keine Zahlen.

Nach Bathe (2012) brauchen akute Fälle mit deutlicher Lahmheit oder Subluxation Ruhe und behalten oft eine Restlahmheit. Viele leichte Fälle mit Fesselträgerproblem erholen sich laut Bathe, wenn der Fesselträger behandelt und das Pferd gut rehabilitiert wird, gegebenenfalls ohne ISG-spezifische Behandlung. Das ist ein erfahrungsbasierter Kongressbeitrag ohne Zahlen.

Was kostet das? Wir nennen keine Preise: Die Kosten hängen von Untersuchung, Bildgebung, Medikament und Praxis ab, und eine verlässliche Spanne haben wir nicht gefunden. Frag vorab nach einem Kostenvoranschlag.

Welche Rolle spielt Physiotherapie bei ISG-Problemen?

Physiotherapie kann leichte, subakute oder chronische ISG-Probleme begleiten, nachdem die Tierärztin oder der Tierarzt den Schmerz kontrolliert hat. Ziel ist Muskelaufbau, der die Region stabilisiert. Physiotherapie, Osteopathie oder Chiropraktik können dabei unterstützen (Bathe 2012).

Pferdephysiotherapie arbeitet mit manueller Therapie, Bewegungstherapie und Übungen. Ein Review zu Übungen bei ISG-Schmerz betont: Der Übungsplan entsteht individuell, nach gründlicher Untersuchung von ISG und angrenzenden Weichteilen (Goff 2022).

Die Studienlage ist klein. Ein systematisches Review zu Mobilisation und Manipulation fand 14 Studien, davon 13 am Pferd. Alle berichteten positive Effekte, die Ergebnisse waren aber zu uneinheitlich für eine gemeinsame Auswertung (Haussler et al. 2021). Diese Studien betrafen nicht speziell das ISG. Eine kontrollierte Studie zu Physiotherapie oder Übungen bei ISG-Schmerz haben wir in unserer Recherche vom 16.10.2026 nicht gefunden. Wenig erforscht heißt nicht wirkungslos, ein sicherer Erfolg lässt sich daraus aber nicht ableiten. Den Unterschied der Verfahren erklärt Osteopathie oder Physiotherapie beim Pferd: Was passt wann?.

Welche Übungen und welches Management werden bei ISG-Problemen empfohlen?

Fachquellen empfehlen bei ISG-Problemen vor allem den Grundsatz: Übungen nach Untersuchung individuell planen und die Kruppenmuskulatur kräftigen (Goff 2022). Durch kontrollierte Studien belegt ist das für das ISG bisher nicht. Das MSD Veterinary Manual nennt stufenweises Aufwärmen im ruhigen Galopp und Übungen für die Glutealmuskulatur.

Hinweise liefern Studien zum Rücken allgemein:

  • Mobilisationsübungen: Bei 7 Pferden aktivierte die Hüftmobilisation die Bauchmuskeln und den langen Rückenmuskel am stärksten; im Lendenbereich galt das auch für „Beckenrunden“ (Harrison et al. 2026). Das misst Muskelaktivität, keinen Therapieerfolg.
  • Trainingsprogramme: Wasserlaufband, Longieren und Laufband verbesserten über 6 Wochen bei 18 Pferden mit Rückenschmerz Tastbefund, Muskulatur und Schmerzschwellen; die Programme unterschieden sich nicht (Geiger et al. 2025). Die Gruppen waren klein, eine Kontrollgruppe mit gerittener Reha fehlte.
  • Tiefe Rückenmuskeln: Muskelschwund des Multifidus kann bestehen bleiben, nachdem der Schmerz weg ist; gezielte Reha wird empfohlen (Domańska-Kruppa et al. 2024).

Zum Management gehören Sattel und Reiter: Ein schlecht sitzender Sattel und ein unausbalancierter Reiter gelten als wichtige Faktoren für Rückenschmerz (Domańska-Kruppa et al. 2024). Rutscht der Sattel zur Seite, kann das auf eine Hinterhandlahmheit hinweisen statt auf den Sattel (Greve & Dyson 2013).

Kann man das ISG „lösen“? Eine Übung, die das ISG löst, haben wir nicht gefunden. Unsere Ableitung: Kurze, regelmäßige Einheiten nach Freigabe, steigende Anforderungen und Kontrolle mit der Tierärztin oder dem Tierarzt passen besser zur Quellenlage als einzelne Lösegriffe. Übungen für Rücken und Oberlinie erklärt der Ratgeber Pferd Muskelaufbau: Übungen, Studienlage und Trainingsplanung.

Wann wieder reiten? Eine belegte Pausendauer haben wir nicht gefunden. Akute Fälle brauchen Ruhe, leichte Fälle werden nach Schmerzkontrolle gezielt gearbeitet (Bathe 2012). Den Zeitpunkt legt die Tierärztin oder der Tierarzt fest.

Wie arbeiten Tierärztin oder Tierarzt und Physiotherapie zusammen?

Tierärztin oder Tierarzt und Physiotherapie arbeiten beim ISG nacheinander und abgestimmt: Erst stehen Diagnose und Schmerzkontrolle, dann ein Übungsplan, dann Kontrolle. Diese Reihenfolge leiten wir aus Bathe (2012) und Goff (2022) ab.

  1. Befund weitergeben: Bring Diagnose und Bildbefunde zum ersten Physiotermin mit.
  2. Ziel festlegen: Vereinbart, woran ihr Fortschritt erkennt, zum Beispiel einen besseren Galopp oder weniger Steifheit.
  3. Plan abstimmen: Die Therapeutin oder der Therapeut spricht Belastung und Übungen mit der Tierarztpraxis ab.
  4. Kontrolle einplanen: Bleibt die Besserung aus oder kommen Warnzeichen hinzu, geht es zurück zur Tierärztin oder zum Tierarzt.

Wie findest du in München eine passende Therapeutin oder einen passenden Therapeuten?

Für ISG-Probleme in München und Umland vermitteln wir dir eine passende Therapeutin oder einen passenden Therapeuten. Beschreibe das Problem deines Pferdes in der Anfrage; mit deiner Einwilligung geben wir die Angaben an eine Person in deiner Region weiter.

Im Verzeichnis nennen 136 von 193 geprüften Anbietern im Raum München Physiotherapie, 130 bieten laut eigener Website Termine im Stall an (Stand 16.10.2026). Ein Eintrag ist keine Empfehlung und keine Qualitätsprüfung. Wie der Hausbesuch abläuft, erklärt mobile Behandlung.

Die Anfrage geht auch vor der Abklärung oder mit Warnzeichen; dann empfehlen wir bei Bedarf eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Transparenzhinweis: Sofia Yas, Mitbetreiberin dieses Portals, betreibt mit EquiBalance Weber selbst eine Pferdephysiotherapie im Raum München. Sie wird im Verzeichnis gekennzeichnet und nicht bevorzugt.

Häufige Fragen

Welche Symptome zeigen Pferde bei ISG-Problemen?

In einer Klinik-Fallserie zeigten Pferde mit reinem ISG-Region-Schmerz (43 Pferde) vor allem Rumpfsteifheit (61 %) und fehlenden Schub aus der Hinterhand (56 %). Unter dem Sattel nennt die Studie einen schlechteren Galopp als Trab (81 %) und schlechte Anlehnung (65 %). Die Zeichen traten unter dem Reiter deutlich häufiger auf als an der Longe. Sie sind unspezifisch und passen auch zu anderen Ursachen.

Wo macht das Iliosakralgelenk beim Pferd Schmerzen?

Das ISG liegt tief unter der Kruppe zwischen Kreuzbein und Darmbein. Von außen zeigt sich Schmerz eher indirekt: als Druckempfindlichkeit über den Kreuzbeinhöckern (beschrieben vor allem bei akuten Verletzungen), als Rückenempfindlichkeit oder als Bewegungsproblem der Hinterhand. Eine ungleiche Kruppe allein beweist kein ISG-Problem.

Gibt es eine ISG-Blockade beim Pferd, und kann man das ISG einrenken?

„ISG-Blockade“ ist ein Laienbegriff; in der Fachliteratur ist er nicht als Diagnose gebräuchlich. Die Fachquellen sprechen von Schmerz, Arthrose, Bandschäden oder Dysfunktion der ISG-Region. Eine Verschiebung (Subluxation) gilt laut einer Übersicht als beschrieben, aber nicht belegt. Mit „Blockade“ meint die Tiermedizin außerdem die diagnostische Betäubung.

Wie wird ein ISG-Problem beim Pferd diagnostiziert?

Einen einzelnen Referenztest gibt es nicht. Die Tierärztin oder der Tierarzt schließt andere Ursachen einer Hinterhandlahmheit aus, betäubt die ISG-Region probeweise und nutzt Bildgebung wie Ultraschall, Szintigrafie oder CT. Unauffällige Bilder schließen ISG-Schmerz nicht aus.

Welche Spritze bekommt ein Pferd bei ISG-Problemen?

Das MSD Veterinary Manual nennt als tierärztliche Behandlung eine Kortikoid-Injektion um das Gelenk herum, dazu Stoßwellen und gepulste elektromagnetische Therapie sowie ein Reha-Programm. Ob und welche Spritze passt, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt nach dem Befund.

Was kostet eine ISG-Spritze beim Pferd?

Wir nennen hier keine Preise, weil die Kosten von Untersuchung, Bildgebung, Medikament und Praxis abhängen und wir keine verlässliche Spanne gefunden haben. Frag deine Tierärztin oder deinen Tierarzt vorab nach einem Kostenvoranschlag für Diagnostik und Behandlung.

Welche Übungen helfen bei ISG-Problemen?

Eine kontrollierte Studie zu Übungen speziell bei ISG-Schmerz haben wir nicht gefunden. Fachquellen beschreiben ein Reha-Programm mit stufenweisem Aufwärmen im ruhigen Galopp und Übungen für die Kruppenmuskulatur; der Plan soll nach einer Untersuchung individuell erstellt werden. Starte Übungen erst nach tierärztlicher Freigabe.

Wann darf ich mein Pferd mit ISG-Problemen wieder reiten?

Eine belegte Pausendauer haben wir nicht gefunden. Nach einem Kongressbeitrag brauchen akute Fälle mit deutlicher Lahmheit Ruhe, während leichte Fälle nach Schmerzkontrolle gezielt gearbeitet werden, um Muskulatur aufzubauen. Den Zeitpunkt legt die Tierärztin oder der Tierarzt fest.

Kann Physiotherapie bei ISG-Problemen beim Pferd helfen?

Physiotherapie kann bei leichten, tierärztlich abgeklärten Fällen begleitend eingesetzt werden, etwa mit manueller Therapie und Übungen zum Muskelaufbau. Die Studienlage ist klein: Eine kontrollierte Studie speziell zum ISG haben wir nicht gefunden. Wenig erforscht heißt nicht wirkungslos, einen sicheren Erfolg verspricht das aber nicht.

Quellen

  1. Haussler 2004: Functional anatomy and pathophysiology of sacroiliac joint disease (AAEP) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  2. Dyson 2004: Pain associated with the sacroiliac joint region: a diagnostic challenge (AAEP) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  3. Barstow & Dyson 2015: Clinical features and diagnosis of sacroiliac joint region pain in 296 horses (Equine Vet Educ, Abstract) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  4. Walter et al. 2024: Review of the clinical diagnosis of sacroiliac dysfunction in horses (Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  5. MSD Veterinary Manual: Sacroiliac Joint Abnormalities in Horses (Durgam, Review 2025) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  6. MSD Veterinary Manual: Disorders of the Hip in Horses (Sole Guitart, 2024/2025) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  7. Skivington et al. 2020: Proximal Suspensory Desmitis and Sacroiliac Disease (IntechOpen) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  8. Kowalczyk 2008: Das Iliosakralgelenk des Pferdes, Dissertation LMU München (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  9. Mathys et al. 2025: CT und Ultraschall an Iliosakralgelenken von Warmblut-Kadavern (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  10. Shokry et al. 2025: Back pain and poor performance in show jumping horses (Open Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  11. Greve & Dyson 2013: Hindlimb lameness and saddle slip (Equine Vet J) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  12. Domańska-Kruppa et al. 2024: Advances in the Clinical Diagnostics to Equine Back Pain (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  13. Bathe 2012: Outcome of treatment of sacroiliac region pain (BEVA Congress) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  14. Goff 2022: Therapeutic Exercises for Equine Sacroiliac Joint Pain and Dysfunction (Vet Clin North Am Equine Pract) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  15. Haussler et al. 2021: Systematic Review of Musculoskeletal Mobilization and Manipulation Techniques (Animals) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 16. Oktober 2026
  16. Geiger et al. 2025: Trainingsprogramme bei Pferden mit Rückenschmerz (BMC Vet Res) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026
  17. Harrison et al. 2026: Muskelaktivität bei Mobilisationsübungen (J Equine Vet Sci) (öffnet in neuem Tab) – abgerufen am 8. Oktober 2026

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